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Jesus von Nazareth der Schlüssel zum christentum

Authentizität und Glaubwürdigkeit

 
Die Auf­er­ste­hung – Kern­punkt des Glau­bens

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Nichts ist so gefähr­lich wie Unsi­cher­heit im Glau­ben; denn der Glaube ist das Fun­da­ment unse­res Lebens. Wenn das Fun­da­ment schwankt, dann wankt das ganze Leben. Wir sind des­we­gen seit gerau­mer Zeit bemüht, unse­ren Glau­ben an Jesus Chris­tus als den wahr­haf­ti­gen Sohn Got­tes, als den gott­ge­sand­ten Erlö­ser zu begrün­den. Wir haben auf seine Per­sön­lich­keit hin­ge­wie­sen; wir haben sein Wesen erkannt; wir haben auf seine Taten geschaut und gesagt: Wahr­haf­tig, die­ser Mensch muß Got­tes Sohn sein. Aber von einem Gescheh­nis haben wir bis­her noch nicht gespro­chen, wel­ches das Wun­der aller Wun­der ist, näm­lich von sei­ner Auf­er­ste­hung. Die Auf­er­ste­hung, das Auf­er­ste­hungs­wun­der ist nicht nur die Grund­lage unse­res Glau­bens und unse­rer Zuver­sicht; es ist auch die wich­tigste Beglau­bi­gung von Wor­ten und Taten des Herrn Jesus Chris­tus. Von der Auf­er­ste­hung gilt das Wort des Apos­tels Pau­lus: „Wenn Chris­tus nicht auf­er­stan­den ist, dann ist nich­tig unsere Pre­digt und nich­tig euer Glaube.“ Ich kann nur mein Unver­ständ­nis äußern, wie Men­schen am christ­li­chen Glau­ben fest­hal­ten wol­len, wel­che die Auf­er­ste­hung Jesu preis­ge­ben. „Wenn Chris­tus nicht auf­er­stan­den ist, dann ist nich­tig unsere Pre­digt, dann ist nich­tig auch euer Glaube. Dann seid ihr noch in euren Sün­den.“ So hart for­mu­liert es der Apos­tel Pau­lus im 1. Brief an die Korin­ther.

Der Herr sel­ber hat ent­schei­den­des Gewicht auf die­ses Beglau­bi­gungs­wun­der gelegt. Als die Mas­sen ein Zei­chen von ihm for­dern, mit dem er sich aus­wei­sen soll, sagt er: „Die­ses böse und ehe­bre­che­ri­sche Geschlecht for­dert ein Zei­chen. Es wird ihm kein Zei­chen gege­ben wer­den als das Zei­chen des Jonas. Gleich wie Jonas drei Tage im Bauch des Fisches war, so wird der Men­schen­sohn im Her­zen der Erde sein.“ Und bei einer ande­ren Gele­gen­heit erklärt er: „Reißt die­sen Tem­pel nie­der, und in drei Tagen werde ich ihn wie­der auf­bauen.“

Das Auf­er­ste­hungs­wun­der ist das größte Wun­der, das Jesus gewirkt hat und das an ihm gewirkt wor­den ist. „Ich habe Macht, das Leben hin­zu­ge­ben, und Macht, es wie­der zu neh­men.“ So sagt er selbst. Er ist der Herr über Leben und Tod. Nicht er ist dem Tode unter­wor­fen, son­dern der Tod ist ihm unter­ge­ben. Diese Bedeu­tung der Auf­er­ste­hung Jesu wird auch von den Fein­den des christ­li­chen Glau­bens erkannt. Der ehe­ma­lige pro­tes­tan­ti­sche Theo­loge David Fried­rich Strauß schreibt: „Der Mit­tel­punkt des Mit­tel­punk­tes, das eigent­li­che Herz des Chris­ten­tums ist die Auf­er­ste­hung.“ Ganz rich­tig. Die Auf­er­ste­hung Jesu ist der Kern­punkt unse­res Glau­bens. Aber eben die­sen Kern­punkt sucht der Unglaube zu erschüt­tern, und zwar auf dop­pelte Weise. Die einen ver­su­chen es damit, daß sie die Berichte über die Auf­er­ste­hung Jesu als unhis­to­risch erklä­ren. Die ande­ren behaup­ten, die christ­li­che Deu­tung des­sen, was sich da in Jeru­sa­lem ereig­net hat, ist falsch.

Die erste Gruppe sucht die Berichte über die Auf­er­ste­hung Jesu, über das Erschei­nen des Auf­er­stan­de­nen als unge­schicht­lich zu erwei­sen. Es gibt drei Hypo­the­sen, die die­sen Ver­such machen. Die erste ist die Betrugs­hy­po­these, von dem Ham­bur­ger Her­mann Samuel Rei­ma­rus auf­ge­stellt. Nach die­ser Betrugs­hy­po­these waren die Jün­ger Jesu durch sein kläg­li­ches Ster­ben ent­täuscht, kamen sich betro­gen vor. Um aber nicht zu ihren gewohn­ten Arbei­ten zurück­keh­ren zu müs­sen, stah­len sie den Leich­nam und wie­sen das leere Grab als Beweis für die Auf­er­ste­hung vor. Die zweite Hypo­these ist die Besei­ti­gungs­hy­po­these. Danach haben nicht die Jün­ger den Leich­nam Jesu gestoh­len, son­dern ent­we­der haben ihn die Juden ent­fernt, oder Josef von Ari­mat­häa hat ihn aus dem pro­vi­so­ri­schen Grab in ein end­gül­ti­ges Grab ver­bracht, oder er ist bei einem Erd­be­ben in eine Erd­spalte gefal­len. Die Jün­ger waren zunächst stut­zig, als sie das leere Grab ent­deck­ten, aber dann kamen sie auf den Gedan­ken, daß Jesus auf­er­stan­den sein könnte. Die dritte Hypo­these ist die Evo­lu­ti­ons­hy­po­these. Nach ihr ist nicht die Auf­er­ste­hung Jesu ein geschicht­li­ches Ereig­nis, son­dern nur der Glaube der Jün­ger an die Auf­er­ste­hung. Die­ser Glaube ist wie folgt ent­stan­den: Die Jün­ger hin­gen an Jesus, auch nach sei­nem Tode. Ihr Glaube und ihre Begeis­te­rung hat mit Inbrunst das umfan­gen, was Jesus getan und gewirkt hatte, und so waren sie plötz­lich der Über­zeu­gung: Es kann nicht zu Ende sein, es muß irgend­wie wei­ter­ge­hen; Jesus ist auf­er­stan­den! Aus ihrem Glau­ben, aus ihrer Begeis­te­rung, aus ihrer Hin­gabe, aus ihrer Anhäng­lich­keit an Jesus ist der Glaube an die Auf­er­ste­hung her­vor­ge­spros­sen.

Das ist die eine Gruppe. Die andere Gruppe sucht die christ­li­che Deu­tung der Ereig­nisse nach dem Tode Jesu als irrig zu erwei­sen. An ers­ter Stelle ist zu nen­nen der evan­ge­li­sche Theo­loge Gott­lob Pau­lus. Nach ihm war Jesus am Kreuze nicht tot; er ist ledig­lich in einen Starr­krampf ver­fal­len. Diese Erstar­rung löste sich, als der Lan­zen­stich erfolgte, als Jesus in die Gra­bes­kühle kam, als man ihn ein­bal­sa­mierte, als eine Auf­fri­schung durch das Gewit­ter kam. Er wurde wie­der leben­dig und begeg­nete den Sei­nen als Wan­de­rer oder als Gärt­ner. Das ist die Schein­tod­hy­po­these. Die gebräuch­lichste Hypo­these ist jedoch die Visi­ons­hy­po­these, auf­ge­bracht von dem genann­ten David Fried­rich Strauß. Nach die­ser Visi­ons­hy­po­these haben die Jün­ger Hal­lu­zi­na­tio­nen gehabt. Hal­lu­zi­na­tio­nen sind Sin­nes­täu­schun­gen, Trug­wahr­neh­mun­gen. Wir wür­den sie auf deutsch als Ein­bil­dun­gen bezeich­nen. Es ent­spricht die­sen Vor­stel­lun­gen kein rea­ler Reiz von außen, son­dern diese angeb­li­chen Erschei­nun­gen wer­den von innen, aus dem eige­nen Her­zen, aus der Sehn­sucht des Her­zens her­vor­ge­trie­ben. Diese Visi­ons­hy­po­these ist im pro­tes­tan­ti­schen Lager weit ver­brei­tet und beginnt in der katho­li­schen Kir­che durch irr­leh­rende Theo­lo­gen Hei­mat­recht zu gewin­nen. Wir müs­sen uns um der Red­lich­keit unse­res Glau­bens, auch um der Fes­tig­keit unse­res Glau­bens mit den genann­ten Auf­stel­lun­gen befas­sen.

Was zunächst die Erschei­nun­gen angeht, so ist fest­zu­stel­len: Der Evan­ge­list Matt­häus berich­tet von zwei Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen, näm­lich vor den Frauen am Grabe und vor den Elfen auf dem Berg in Gali­läa, wo er ihnen den Mis­si­ons­be­fehl gab. Der Evan­ge­list Mar­kus berich­tet von drei Erschei­nun­gen, näm­lich vor Maria Magda­lena, vor zwei Jün­gern und vor den Elfen. Lukas berich­tet von vier Erschei­nun­gen. näm­lich vor den Emmaus-Jün­gern, vor Petrus, vor den elf Jün­gern in Jeru­sa­lem und vor den elf Jün­gern in Betha­nien. Auch Johan­nes mel­det vier Erschei­nun­gen, näm­lich vor Maria Magda­lena, vor den Elfen ohne Tho­mas und vor den Elfen mit Tho­mas und vor sie­ben Jün­gern am See Tibe­rias. Die Apos­tel­ge­schichte erwähnt an vie­len Stel­len die Auf­er­ste­hung Jesu. In den Pre­dig­ten des Apos­tels Petrus und des Apos­tels Pau­lus wird immer wie­der die Auf­er­ste­hung, die wirk­li­che Auf­er­ste­hung Jesu, bezeugt durch Erschei­nun­gen, ange­spro­chen. So sagt zum Bei­spiel der Apos­tel Petrus: „Die­sen erweckte Gott am drit­ten Tag und ließ ihn erschei­nen nicht dem gan­zen Volk, son­dern den von Gott vor­her­be­stimm­ten Zeu­gen, uns, die wir mit ihm geges­sen und getrun­ken haben nach sei­ner Auf­er­ste­hung von den Toten.“ Oder in der Pre­digt des Apos­tels Pau­lus: „Gott aber erweckte ihn am drit­ten Tage von den Toten. Er erschien viele Tage hin­durch denen, wel­che mit ihm von Gali­läa nach Jeru­sa­lem hin­auf­ge­zo­gen waren, und diese sind nun­mehr seine Zeu­gen vor dem Volke.“ Der Apos­tel Pau­lus mel­det sechs Erschei­nun­gen, näm­lich ers­tens vor Petrus, zwei­tens vor den Elfen, drit­tens vor 500 Brü­dern, vier­tens vor Jako­bus, fünf­tens vor allen Apos­teln und sechs­tens vor ihm selbst. Es ist offen­kun­dig, daß Pau­lus ers­tens eine chro­no­lo­gi­sche Rei­hen­folge der Erschei­nun­gen anzielt, und zwei­tens, daß er kei­nes­wegs Voll­stän­dig­keit anstrebt. Denn sicher waren ihm die Erschei­nun­gen auch vor den Frauen, die er nicht erwähnt, und vor den Emmaus-Jün­gern bekannt.

Gegen diese Berichte von den Auf­er­ste­hungs­er­schei­nun­gen wer­den nun Ein­wände erho­ben. Man sagt, sie stimm­ten nicht über­ein, es gebe Uneben­hei­ten, Unstim­mig­kei­ten, Wider­sprü­che zwi­schen ihnen, und man zählt fol­gende angeb­li­che Wider­sprü­che auf: Die bei­den Evan­ge­lis­ten Mar­kus und Lukas berich­ten von drei Frauen, die zum Grabe gin­gen, Matt­häus von zwei Frauen, Johan­nes von einer Frau. Angeb­lich ers­ter Wider­spruch. Sodann berich­ten zwei Evan­ge­lis­ten von einem Engel, zwei andere von zwei Engeln, näm­lich Mar­kus und Matt­häus von einem Engel, Lukas und Johan­nes von zwei Engeln, die am Grabe waren. Angeb­lich zwei­ter Wider­spruch. Sodann steht im Evan­ge­lium des Mar­kus: „Die Frauen sag­ten nie­mand etwas davon, was sie an dem Grabe erlebt und erfah­ren hat­ten.“ Nach den ande­ren Evan­ge­lis­ten aber berich­te­ten sie den Apos­teln, was sie erlebt und erfah­ren hat­ten. Angeb­lich drit­ter Wider­spruch. Wei­ter mel­det Mar­kus, daß die Jün­ger skep­tisch waren, als sie die Kunde von der angeb­li­chen Auf­er­ste­hung Jesu hör­ten. Nach Lukas aber nah­men sie sie mit Freude ent­ge­gen. Angeb­lich vier­ter Wider­spruch.

Was ist zu die­sen angeb­li­chen Wider­sprü­chen, Unstim­mig­kei­ten, Uneben­hei­ten zu sagen? Was zunächst die Frauen angeht, die zum Grabe gin­gen, so war kein Evan­ge­list bestrebt, Voll­stän­dig­keit zu erzie­len. Ich bin über­zeugt, daß es noch mehr waren als drei. Aber man hat eben die Per­sön­lich­kei­ten ange­ge­ben, die in der Urge­meinde oder Tei­len der­sel­ben bekannt waren, zu denen viel­leicht beson­dere Bezie­hun­gen bestan­den. An ers­ter Stelle natür­lich die Frau, die am meis­ten Bedeu­tung in der Urge­meinde hatte, Maria Magda­lena. Ihr Gang zum Grabe wird von allen vier Evan­ge­lis­ten berich­tet und die Erschei­nung Jesu vor ihr ebenso. Daß Johan­nes, der nur von dem Gang Maria Magda­le­nas zum Grab berich­tet, davon wußte, daß er mehr Frauen waren, ergibt sich aus sei­nem Evan­ge­lium. Er berich­tet näm­lich, daß Maria Magda­lena ans Grab ging und den Stein vom Grab weg­ge­nom­men sah. Da eilte sie fort und kam zu Simon Petrus und dem ande­ren Jün­ger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: „Sie haben den Herrn aus dem Grabe genom­men, und wir wis­sen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.“ Ja, wenn sie allein gegan­gen wäre, müßte sie ja sagen: Ich weiß es nicht; sie sagt: Wir wis­sen es nicht; ein Zei­chen dafür, daß Johan­nes, genau wie die ande­ren Jün­ger, Kunde davon hatte, daß meh­rere Frauen zum Grabe geeilt waren. Mit dem Wider­spruch ist es nichts.

Wenn Sie, meine lie­ben Freunde, die vie­len Berichte lesen, die über die letz­ten Tage der Reichs­kanz­lei im April 1945 erschie­nen sind, dann wer­den Sie fest­stel­len, daß die ver­schie­de­nen Bericht­er­stat­ter ganz ver­schie­dene Per­so­nen ange­ben, die sich an die­sem Ort befun­den haben. Natür­lich geben alle an, daß Hit­ler und seine Frau und Goeb­bels anwe­send waren. Aber wer sich sonst noch dort befand, das rich­tet sich nach dem Inter­esse und auch nach dem Gesichts­kreis des ein­zel­nen Bericht­er­stat­ters. Ein Arzt hat eine andere Rich­tung sei­ner Beob­ach­tung als ein SS-Mann, der ein Funk­ge­rät bedient. Des­we­gen wer­den die Berichte nicht unglaub­wür­dig, son­dern jeder berich­tet eben das, was ihm zugäng­lich war und was ihm wich­tig erschien. Ähn­lich ist es auch bei der Enge­ler­schei­nung. Wenn Sie von der Seite in eine Höhle hin­ein­schauen – das Grab Jesu war ja eine Höhle –, dann sehen Sie nicht das­selbe, wie wenn sie von vorn in das Grab hin­ein­schauen. Sie sehen, wenn Sie von vorn hin­ein­schauen, mehr, als wenn sie von der Seite hin­ein­bli­cken. So kann sich durch­aus erklä­ren, daß von einem Engel und von zwei Engeln die Rede war. Außer­dem gibt es noch eine andere Erklä­rung. Es hat näm­lich nur ein Engel gespro­chen, und auf die­sen einen, der Zeug­nis gab, kam es dem Bericht­er­stat­ter an. Der andere war dabei, aber er hat nicht gere­det. Es war kein Sprech­chor von Engeln, der sie anre­det. Infol­ge­des­sen hat­ten sie kei­nen Anlaß, von zwei Engeln zu spre­chen.

Was dann wei­ter die Mel­dung angeht, daß die Frauen es nie­man­dem sag­ten, so ist unschwer zu erklä­ren, wer damit gemeint ist. Nie­mand – das heißt nie­mand von den Frem­den, nie­mand von den Geg­nern und Hassern Jesu. Aber daß sie es den Apos­teln erzähl­ten, das ist doch selbst­ver­ständ­lich. Sie woll­ten es nie­man­dem von den Fein­den sagen, weil sie unter Umstän­den fürch­ten muß­ten, als Grab­räu­ber oder Ver­brin­ger des Leich­nams vor Gericht gezo­gen zu wer­den. Selbst­ver­ständ­lich haben sie es den Apos­teln gemel­det, und zwar mit gro­ßem Eifer. Ich kann nicht begrei­fen, wie man hier einen Wider­spruch fin­den will. Und ebenso ist es mit der angeb­li­chen Skep­sis der Jün­ger. Natür­lich – und Gott sei Dank – waren sie skep­tisch; denn dadurch haben sie sich erst über­zeugt von dem, was gesche­hen war. Ihre Skep­sis baut unse­ren Glau­ben auf. Sie waren keine leicht­gläu­bi­gen Phan­tas­ten, die auf irgend­eine Bot­schaft her­ein­fie­len, son­dern sie haben sich ver­ge­wis­sert. Sie sind selbst zum Grab geeilt, und sie haben gewar­tet, bis die Erschei­nun­gen des Auf­er­stan­de­nen ein­setz­ten. Sie waren also am Anfang miß­trau­isch, wur­den aber durch die Erschei­nun­gen über­zeugt.

Nun wird noch ein letz­ter angeb­li­cher Wider­spruch auf­ge­baut. Man sagt näm­lich, zwei Evan­ge­lis­ten berich­ten nur von Erschei­nun­gen in Gali­läa, näm­lich Mar­kus und Matt­häus, und zwei (Lukas und Johan­nes) berich­ten nur von Erschei­nun­gen in Judäa, also in Jeru­sa­lem. Daß die bei­den erst­ge­nann­ten Evan­ge­lis­ten von Erschei­nun­gen in Gali­läa berich­ten, hat einen guten Grund. Gali­läa war das hei­lige Land, gehei­ligt durch Wort und Werk und Wan­de­rung unse­res Herrn und Hei­lan­des. Hier hat er den Apos­teln seine Leh­ren gege­ben, hier hat er seine Wun­der gewirkt an dem kran­ken Knecht, an dem Lahm­ge­bo­re­nen und an vie­len ande­ren. Daher ist es nicht merk­wür­dig, daß hier, an die­ser hei­li­gen Stätte, wo sie ihren Hei­land und Meis­ter am ergrei­fends­ten erlebt hat­ten, auch die wich­tigs­ten Erschei­nun­gen gescha­hen. Aber diese gali­lä­i­schen Erschei­nun­gen schlie­ßen die judäi­schen Erschei­nun­gen kei­nes­wegs aus. Zunächst ein­mal steht uns dafür das Zeug­nis der Evan­ge­lis­ten Lukas und Johan­nes. Und es ist auch ganz selbst­ver­ständ­lich, daß, wenn die Erschei­nung am drit­ten Tage erfolgte, sie in Judäa gesche­hen mußte. Denn zu die­ser Zeit waren die Apos­tel noch gar nicht in Gali­läa. Wenn Lukas die Erschei­nung vor Petrus erwähnt und wenn Pau­lus ihm im 1. Korin­ther­brief zustimmt, daß als ers­ter Petrus die Erschei­nung hatte, dann muß diese Erschei­nung natür­lich am Auf­er­ste­hungs­tage und in Jeru­sa­lem, in der Stadt, aus der sich die Jün­ger noch nicht hin­aus­be­ge­ben hat­ten, gesche­hen sein. Es brauchte auch nicht, wie David Fried­rich Strauß meint, einen län­ge­ren Zeit­raum, damit die Apos­tel zu der Mei­nung kamen, Jesus sei auf­er­stan­den. Der län­gere Zeit­raum steht näm­lich nicht zur Ver­fü­gung. Das Zeug­nis aller Bericht­er­stat­ter ist ein­deu­tig: „Am drit­ten Tage auf­er­stan­den“. Das ist kein län­ge­rer Zeit­raum. In die­ser Zeit kann keine gewal­tige Umstim­mung der see­li­schen Lage erfol­gen. In die­ser Zeit kann man nicht seine Fas­sung wie­der­ge­win­nen, wenn man sie ver­lo­ren hatte, wenn nicht ein äuße­res Ereig­nis den Apos­teln zu Hilfe kam. Das eben ist durch die Erschei­nun­gen Jesu gesche­hen. Wenn Lukas nur Erschei­nun­gen in Judäa berich­tet, hat das einen guten Grund. Er hat näm­lich ein zwei­tes Buch geschrie­ben, die Apos­tel­ge­schichte. Und die Apos­tel­ge­schichte setzt mit Judäa ein. Er wollte in sei­nem Evan­ge­lium dort abschlie­ßen, näm­lich in Judäa, wo er in der Apos­tel­ge­schichte anfing, näm­lich in Judäa.

Meine lie­ben Freunde, wir haben kei­nen Grund, an der Wirk­lich­keit der leib­haf­ti­gen Auf­er­ste­hung unse­res Herrn und Hei­lan­des zu zwei­feln. Die Jün­ger haben immer und immer wie­der, wenn von der Auf­er­ste­hung Jesu die Rede war, gesagt: „Gott hat ihn auf­er­weckt; des­sen sind wir seine Zeu­gen.“ Sie haben dem Wort „Er ist auf­er­stan­den“ ein ande­res hin­zu­ge­fügt: „Er ist wahr­haft auf­er­stan­den.“ Ja, er ist wahr­haft auf­er­stan­den, näm­lich leib­haf­tig, und lebt in alle Ewig­keit.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Die Auf­er­ste­hung – Kern­punkt des Glau­bens - www.Glaubenswahrheit.org“