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Christi Himmelfahrt.

Christi Himmelfahrt

„Aufge­fahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes, des Vaters.“ So bekennen wir im Glaubensbe­kenntnis, das ist der Inhalt des Festes. Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Got­tes, des Vaters.

Mit die­sem Fest tun sich man­che schwer. Die ungläu­bige Mensch­heit hat an die Stelle der Him­mel­fahrt des Herrn den Vater­tag gesetzt, einen völ­li­gen Unsinn.

Aber auch die Gläu­bi­gen wer­den von Fra­gen gepei­nigt, was es mit der Him­mel­fahrt des Herrn, was es mit dem Him­mel auf sich hat, und wir müs­sen uns den Fra­gen stel­len.

Predigten zum Fest Christi Himmelfahrt

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Auf­ge­fah­ren in die Wirk­lich­keit des Him­mels

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte, zur Feier der Him­mel­fahrt des Herrn Ver­sam­melte!

Wenn man heute die Men­schen fra­gen würde, wel­chen Tag wir bege­hen, dann wür­den viele, allzu viele, ant­wor­ten: „Heute ist der Vater­tag.“ Warum soll man nicht einen Vater­tag bege­hen? Es gibt ja auch einen Mut­ter­tag. Aber wer Christ ist, müßte wis­sen, daß am heu­ti­gen Tage die Him­mel­fahrt des Herrn gefei­ert wird. Der Herr ist zurück­ge­kehrt, woher er gekom­men ist, und das ist ein Anlaß, froh und dank­bar zu sein.

Der Him­mel­fahrts­tag wirft aber in unse­rer Zeit und in unse­rer Umge­bung Fra­gen auf. Ich meine, es sind drei Fra­gen, die uns heute gestellt sind, näm­lich

1. Ist der Bericht aus der Apos­tel­ge­schichte zuver­läs­sig?

2. Gibt es einen Him­mel?

3. Wis­sen wir etwas vom Him­mel?

Die erste Frage lau­tet: Ist der Bericht der Apos­tel­ge­schichte zuver­läs­sig? Wir wis­sen, meine lie­ben Freunde, daß es heute ungläu­bige Theo­lo­gen gibt, Theo­lo­gen, die Wis­sen­schaft vom Glau­ben betrei­ben und die­sen Glau­ben nicht tei­len. Und diese Ungläu­big­keit erstreckt sich auch auf den Inhalt des heu­ti­gen Fes­tes. Sie reden davon, daß im 1. Kapi­tel der Apos­tel­ge­schichte eine Legende erzählt werde, also eine erfun­dene Geschichte. Wenn man den Bericht der Apos­tel­ge­schichte auf sich wir­ken läßt, dann sieht man, daß er nichts Legen­da­ri­sches an sich hat. Hier wird schlicht und red­lich ein wirk­li­cher Vor­gang geschil­dert, wie ihn die Augen­zeu­gen beob­ach­tet haben. Der Bericht in der Apos­tel­ge­schichte ver­rät die geschulte Feder des grie­chi­schen His­to­ri­kers. Er ist rein sach­lich und ver­zich­tet auf alle Aus­schmü­ckung legen­da­ri­scher Art.

Selbst­ver­ständ­lich muß man wis­sen, wie der Begriff Him­mel zu deu­ten ist. Der Herr wurde empor­ge­ho­ben in den Wol­ken­him­mel, das ist keine Frage. Er ent­schwand nach oben, da, wo die Wol­ken sind. Aber sein Weg führte über die Wol­ken hin­aus. Wenn Sie ein­mal die Novene, die wir jetzt bis zum nächs­ten Pfingst­sonn­tag beten, betrach­ten, da fin­den Sie den Satz, daß Jesus „über alle Him­mel“ empor­ge­ho­ben wurde. Also nicht in den Wol­ken­him­meln hat er Platz genom­men, nicht da, wo die Raum­schiffe zie­hen, nicht dort, wo die Sterne ihre genau bezeich­ne­ten Bah­nen ver­fol­gen, son­dern über alle irdi­schen Him­mel, über alle uns als Erfah­rungs­we­sen zugäng­li­chen Him­mel ist Chris­tus empor­ge­stie­gen in jene Wirk­lich­keit, die Gott vor­be­hal­ten ist. Der Him­mel, der hier gemeint ist, ist die Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit. Wir nen­nen Gott mit einem rich­ti­gen Wort tran­szen­dent, das heißt über­stei­gend. Gott über­steigt die irdi­sche Wirk­lich­keit. Er ist anders als alles, was wir ken­nen, was wir sehen, was wir hören, was wir mit unse­ren Appa­ra­ten ergrei­fen kön­nen. Und diese Wirk­lich­keit ist gemeint, wenn wir sagen: Gott hat sei­nen Sohn Jesus Chris­tus in den Him­mel auf­ge­nom­men. Er ist nicht, um mit den Wor­ten der eng­li­schen Spra­che zu reden, in den „sky“ auf­ge­nom­men wor­den, son­dern er ist in den „hea­ven“, in die Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit ein­ge­gan­gen. Die Berichte, die wir von der Him­mel­fahrt haben in der Apos­tel­ge­schichte und auch im Mar­ku­sevan­ge­lium, sind zuver­läs­sig. Es besteht kein Anlaß, sie zu bezwei­feln. Bezwei­feln muß sie nur der­je­nige, der nicht an Gott glaubt. Wer nicht an Gott glaubt, der braucht natür­lich auch nicht an die Him­mel­fahrt zu glau­ben. Aber wenn Gott exis­tiert, dann tut er Gött­li­ches, dann sind seine Werke von ande­rer Art, als wir Men­schen sie voll­brin­gen. Man kann nicht bestim­men, was Gott tun darf und was er nicht tun darf. Wir müs­sen Gott über­las­sen, was er will und was er tut. Er hat hier eine Tat­hand­lung gesetzt, eine Gleich­nis­hand­lung, gewiß ein Gleich­nis, indem er nach oben empor­fuhr, um zu zei­gen, er ist nicht in die Unter­welt gegan­gen, er ist nicht dahin gegan­gen, wo die Hölle nach der Vor­stel­lung der Zeit­ge­nos­sen ist. Er ist dahin gegan­gen, wo Gott ist, wo die Wirk­lich­keit Got­tes offen­bar wird, und sitzt zur Rech­ten Got­tes. Das sind alles Bil­der, aber es sind Bil­der, hin­ter denen eine Wirk­lich­keit steht. Es sind keine Phan­ta­sien, son­dern es sind Wirk­lich­kei­ten, die uns hier von den Evan­ge­lis­ten bezeugt wer­den.

Die erste Frage lau­tet: Ist der Bericht zuver­läs­sig? Wir dür­fen ohne jeden Anflug eines Zwei­fels sagen: Er ist zuver­läs­sig. Die Män­ner, die Jesus haben empor­schwe­ben sehen, haben berich­tet, was sie erlebt haben. Sie haben nicht geflun­kert, son­dern sie haben bezeugt.

Die zweite Frage lau­tet: Gibt es einen Him­mel? Auch diese Frage ist natür­lich belas­tet durch unsäg­li­che Vor­stel­lun­gen vom Him­mel, durch Phan­ta­sien, die die Men­schen sich zurecht­ge­macht haben. Wir dür­fen nicht die Vor­stel­lun­gen vom Him­mel mit der Wirk­lich­keit des Him­mels ver­wech­seln. Die Vor­stel­lun­gen sind unzu­läng­lich, und alle Phan­ta­sien über den Him­mel wer­den von dem hei­li­gen Pau­lus abge­wie­sen, wenn er sagt: „Kein Auge hat es gese­hen, kein Ohr hat es gehört, in kei­nes Men­schen Herz ist es gedrun­gen, was Gott denen berei­tet hat, die ihn lie­ben.“ Das ist die Abwei­sung jeder mensch­li­chen Vor­stel­lung, jeder irdi­schen Phan­ta­sie über den Him­mel. Kein Auge hat es gese­hen, kein Ohr hat es gehört, in kei­nes Men­schen Herz ist es gedrun­gen, was Gott denen berei­tet hat, die ihn lie­ben. Jawohl, es gibt einen Him­mel. Jesus, der es wis­sen mußte, hat uns dar­über Zeug­nis abge­legt. „Im Hause mei­nes Vaters sind viele Woh­nun­gen. Wenn es anders wäre, hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Woh­nung zu berei­ten.“ Es gibt einen Him­mel, es gibt eine Stätte der Selig­keit, es gibt eine Gott vor­be­hal­tene Wirk­lich­keit, an der die Men­schen teil­neh­men sol­len, die zu ihm gehö­ren.

Die dritte Frage lau­tet: Wis­sen wir etwas von die­ser Wirk­lich­keit? Kön­nen wir uns etwas Siche­res über den Him­mel aneig­nen, das uns nicht ent­täuscht, wenn wir ein­mal seine Wirk­lich­keit erfah­ren wer­den? Auch diese Frage ist mit ja zu beant­wor­ten. Wir kön­nen die Wirk­lich­keit des Him­mels, wie sie uns Chris­tus geschil­dert hat, in vier Wor­ten zusam­men­fas­sen: Guter Hirt, Woh­nung, Gewand, Mahl. Jesus nennt sich den Guten Hir­ten. Wir wis­sen, wer ein guter Hirt ist; das ist der­je­nige, der sich um seine Schafe sorgt, der sein Leben für seine Schafe hin­gibt. Er läßt neun­und­neun­zig Schafe in der Wüste, um das ver­lo­rene zu suchen und zu ret­ten. Das heißt, Gott liebt einen jeden Men­schen per­sön­lich. Er ist nicht zufrie­den­ge­stellt mit neun­und­neun­zig und mit drei Mil­li­ar­den, son­dern jeden ein­zel­nen Men­schen liebt er per­sön­lich, und wen er ein­mal mit sei­ner Liebe umfan­gen hat, den läßt er nicht mehr aus sei­ner Liebe her­aus­fal­len. Es ist undenk­bar, daß Gott, der seine Liebe und sein Blut für den Men­schen ver­schwen­det hat, ihn in das Nichts zurück­fal­len läßt. Nein, der Gute Hirt, der sein Leben für seine Schafe gibt, sorgt dafür, daß sie in Ewig­keit bei ihm sein kön­nen.

Am gest­ri­gen Tage, meine lie­ben Freunde, war in der Main­zer All­ge­mei­nen Zei­tung eine Todes­an­zeige, wie ich sie noch nie gele­sen habe. Da wurde ein Pro­fes­sor, Josef Scharf, ange­zeigt, des­sen Leben lie­be­volle Zuwen­dung an seine Mit­men­schen war, und seine Gat­tin schrieb: „So neh­men wir Abschied in Trauer und Dank­bar­keit, daß Gott seine Seele befreit hat aus einem Kör­per, der ihm nicht län­ger die­nen konnte.“ Wie wahr! Wie rich­tig! Gott hat seine Seele befreit aus einem Kör­per, der ihm nicht län­ger die­nen konnte. Genau das ist es. Genau das mei­nen wir, wenn wir sagen: Es gibt ein ewi­ges Leben, das der Gute Hirt denen berei­tet hat, die zu sei­ner Herde gehö­ren.

Jesus spricht dann von den Woh­nun­gen, die er berei­tet. Für seine Zuhö­rer hat er Woh­nung in einen Gegen­satz gestellt zu einem Zelt. Das Zelt der Noma­den ist keine Woh­nung. Das Zelt wird auf­ge­baut und wie­der abge­ris­sen. Wenn die Wei­de­plätze leer­ge­wei­det sind, dann wird das Zelt anderswo auf­ge­stellt. Es ist keine blei­bende Stätte. Und jetzt kommt die Ver­kün­di­gung Jesu: Im Him­mel gibt es keine Zelte mehr, son­dern eine Woh­nung, eine Woh­nung, die also Behei­ma­tung und Gebor­gen­heit gibt, eine Woh­nung, die vor Unbil­den schützt, eine Woh­nung, die nicht mehr auf­ge­ge­ben wer­den muß und abge­bro­chen wer­den kann, eine Woh­nung, die immer bleibt. Das ist die trost­rei­che Ver­kün­di­gung, die Jesus vom Him­mel gibt. „Im Hause mei­nes Vaters gibt es viele Woh­nun­gen. Wenn es anders wäre, hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, euch eine Woh­nung zu berei­ten.“

Wenn wir das Bild von der Woh­nung für unsere Zeit in einen Gegen­satz stel­len wol­len, dann müs­sen wir sagen: Die Him­mels­woh­nung ist keine Bara­cke. Eine Bara­cke haben wir ken­nen­ge­lernt, als wir aus der Hei­mat ver­trie­ben wur­den und man uns not­dürf­tig und pro­vi­so­risch unter­brachte. Bara­cken stan­den in de Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern; das waren keine Woh­nun­gen, son­dern Unter­künfte. Was Gott uns berei­tet, das ist eine Woh­nung, eine Stätte der Gebor­gen­heit, des Frie­dens und der Ruhe.

Der Herr schil­dert den Him­mel auch unter dem Bilde des Gewan­des. Das Gewand, das er uns ankün­digt, ist nicht irgend­ein Lum­pen, mit dem man umhüllt wird, son­dern ein Freu­den­ge­wand, ein Pracht­kleid, bild­lich gespro­chen selbst­ver­ständ­lich, aber hin­ter die­sem Bild steht eine Wirk­lich­keit, und diese Wirk­lich­keit ist die: Gott schafft den Men­schen um zu einem unschul­di­gen Wesen. Wir Men­schen kön­nen auch ver­zei­hen und ver­ges­sen, aber Gott kann ver­än­dern. Er kann eine Tie­fen­ver­wand­lung vor­neh­men, und genau das ist es, was im Him­mel geschieht und was mit dem Bild vom Gewand ange­deu­tet wird. Keine Schuld mehr, keine Sünde mehr, keine Ver­such­lich­keit mehr, son­dern Unschuld, so wie wir sie – Gott sei es geklagt – ver­lo­ren haben und nicht mehr wie­der­ge­win­nen kön­nen. Diese Unschuld wird Gott uns im Him­mel schen­ken. Er wird sie uns schen­ken unter dem Bilde des Gewan­des, des wei­ßen Gewan­des, der Herr­lich­keits­ge­wan­des, das uns ver­bin­det mit dem ver­klär­ten Chris­tus.

Und schließ­lich ein letz­tes Bild, in dem der Herr den Him­mel schil­dert, das Mahl. Das Mahl ist mehr als Sät­ti­gung. Das Mahl ist etwas ande­res als Nah­rungs­auf­nahme. Das Mahl ist ein fest­li­cher Vor­gang. Das Mahl, das uns Chris­tus im Him­mel ankün­digt, ist ein Freu­den­mahl. Alle Trauer und alle Trä­nen sind ver­gan­gen. Es ist ein Mahl der Gemein­schaft. Sich sat­tes­sen kann man auch alleine, aber ein Mahl hal­ten kann man nur in Gemein­schaft. Und der Him­mel ist Gemein­schaft, Gemein­schaft der Erlös­ten, Gemein­schaft der Geret­te­ten, Gemein­schaft der von Chris­tus in seine Herr­lich­keit Ein­ge­führ­ten. Ein Mahl der Gemein­schaft, ein Mahl der Freude, ein Mahl der Fülle. Nicht nur das Not­dürf­tige wird gereicht, son­dern es wird eine volle und voll­endete Sät­ti­gung ein­tre­ten, so daß der Mensch nichts mehr ver­lan­gen wird. Unter dem Bilde des Mahls schil­dert uns Jesus die Freude und die Fülle und das Glück des Him­mels.

Drei Fra­gen haben wir gestellt, meine lie­ben Freunde, und zu beant­wor­ten ver­sucht. Die Ant­wor­ten lau­ten: Der Bericht der Evan­ge­lis­ten über die Him­mel­fahrt Christi ist keine Legende, son­dern eine Wirk­lich­keit. Es gibt einen Him­mel, Gott ent­täuscht uns nicht. Er läßt den, den er an sein Herz gezo­gen hat, nicht mehr ins Nichts zurück­fal­len. Und der Him­mel ist eine Stätte, in der wir blei­bend in Freude und in Gemein­schaft und in Glück ver­sam­melt sind.

Der hei­lige Pau­lus hat diese Wahr­heit den Skla­ven und klei­nen Händ­lern in Korinth in fol­gen­der Weise beschrie­ben: „Wir sind gewiß, daß, wenn die­ses unser irdi­sches Gezelt – Gezelt! – abge­bro­chen wird, wir einen Bau von Gott emp­fan­gen, ein nicht mit Hän­den gemach­tes, ewi­ges Wohn­haus im Him­mel.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Christi Himmelfahrt „ www.Glaubenswahrheit.org“