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Predigt im Advent, müssen wir auf einen ..

Der Weck­ruf der Advents­bot­schaft

Müssen wir auf einen anderen warten!
Müssen wir auf einen anderen warten!

Das Kir­chen­jahr weckt die Erin­ne­rung an das Leben, Lei­den, Ster­ben und Auf­er­ste­hen unse­res Hei­lan­des in uns auf. Aber es ist nicht nur eine Erin­ne­rung; das Kir­chen­jahr macht das Werk des Erlö­sers leben­dig. Das, was Chris­tus für uns gewirkt hat, muß uns ja appli­ziert wer­den, und das ist die Auf­gabe des rich­tig mit­er­leb­ten Kir­chen­jah­res. Es will die Gnade und die Wahr­heit unse­res Hei­lan­des uns zuwen­den. Wir sol­len an sei­nem Leben, Lei­den, Ster­ben und Auf­er­ste­hen mys­tisch und über­na­tür­lich Anteil gewin­nen.

Am ers­ten Advents­sonn­tag tra­ten vor uns die Schat­ten des Welt­ge­rich­tes, eines Ereig­nis­ses, an das jeder Christ nur mit ban­ger Sorge den­ken kann. Heute, am zwei­ten Advents­sonn­tag, keimt aus der Furcht die Hoff­nung. Es ertönt an unser Ohr die Bot­schaft von der Erlö­sung. Johan­nes ist im Gefäng­nis. Er hat von dem Wir­ken des Jesus von Naza­reth gehört, aber auch er ist sich nicht sicher, wer die­ser Jesus von Naza­reth ist. Und so schickt er zwei Jün­ger zu ihm, ihn zu befra­gen: „Bist du es, der da kom­men soll, oder sol­len wir auf einen ande­ren war­ten?“ In die­sen Wor­ten lie­gen Zwei­fel, Sehn­sucht, Ver­lan­gen. Der Täu­fer will Gewiß­heit haben, ob der Mes­sias gekom­men ist oder nicht. Die Jün­ger des Herrn, ebenso wie der Täu­fer und des­sen Jün­ger, wuß­ten ja um die Ver­hei­ßun­gen des Alten Bun­des. Sie hat­ten gehört aus dem Pro­phe­ten Isaias: „Gott selbst wird kom­men und sein Volk erlö­sen. Dann wer­den die Augen des Blin­den auf­ge­tan, dann wer­den die Ohren des Tau­ben geöff­net, dann wird die Zunge des Stum­men gelöst, dann springt der Lahme wie ein Hirsch.“ Auf diese Weis­sa­gung des Isaias nimmt Jesus Bezug. Er sagt nicht: Ich bin gekom­men vom Him­mel, um euch die Erlö­sung zu brin­gen. Er legt kein Selbst­zeug­nis ab. Nein, er weist die Jün­ger des Johan­nes auf das hin, was sie sehen und hören, was das Volk über ihn sagt: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aus­sät­zige wer­den rein, Taube hören, Tote ste­hen auf, Armen wird die Heils­bot­schaft ver­kün­det.“ Da seht ihr es ja: Die Ver­hei­ßung des Isaias ist in Erfül­lung gegan­gen. Die Taten Jesu spre­chen für ihn, und tat­säch­lich hat das Volk es auch so emp­fun­den. „Was ist denn das für einer“, sag­ten sie, als er den See­sturm stillte, „was ist denn das für einer, daß ihm sogar der Wind und die Wel­len gehor­chen?“ Ein ander­mal sag­ten sie: „So etwas haben wir über­haupt noch nicht gese­hen.“ Das fas­sungs­lose Stau­nen der Volks­mas­sen spricht dafür, daß der Mes­sias, daß der Erlö­ser da ist.

In den Wor­ten des Herrn liegt auch das Pro­gramm sei­ner Erlö­sung durch die Zei­ten. Nicht mehr wie am Anfang wer­den kör­per­lich Kranke geheilt, wohl aber wer­den see­lisch Kranke, wer­den geis­tig Kranke geheilt. Über­na­tür­lich wird jetzt ver­wirk­licht, was damals, um die­sem rohen Volke den Mes­sias nahe­zu­brin­gen, kör­per­lich und phy­sisch geschah. Auch jetzt wer­den Augen Blin­der geöff­net, wer­den Ohren Tau­ber auf­ge­schlos­sen, denn Jesus ist gekom­men als die Wahr­heit. Viele Chris­ten beden­ken nicht genug, daß wir auch durch die Wahr­heit erlöst sind, erlöst vom Irr­tum, und das ist sehr viel, und das ist etwas Gewal­ti­ges, und das ist etwas Uner­hör­tes. Wir wis­sen es jetzt aus dem Munde Jesu, der vom Vater im Him­mel kommt, daß es einen Gott gibt, daß die­ser Gott die Welt regiert, daß er ein Vater ist und daß er die Lilien des Fel­des genauso klei­det, wie er sich um die Sper­linge des Him­mels küm­mert. Wir wis­sen jetzt, wie wir zu lau­fen haben, wie wir zu gehen haben, wel­chen Weg wir ein­zu­schla­gen haben, näm­lich den Weg zum Him­mel, den Weg zur Ewig­keit. Tot ist nicht tot, und aus ist nicht aus, es geht wei­ter, aber in sehr ver­schie­de­ner Weise. Denn es gibt einen Him­mel, und es gibt eine Hölle. Durch seine Wahr­heit hat uns Chris­tus auf­ge­deckt, was uns erwar­tet. Wir wis­sen jetzt, wie wir uns im Berei­che der geschlecht­li­chen Sitt­lich­keit ver­hal­ten müs­sen. Der Pro­tes­tan­tis­mus weiß immer noch nicht, daß Homo­se­xua­li­tät eine him­mel­schrei­ende Sünde ist. 2000 Jahre ist der Herr gekom­men, und noch immer nicht ist ihnen bewußt, was seine Bot­schaft uns bedeu­tet, für unse­ren Leib und für unsere Ehen und für unsere Geschlecht­lich­keit.

Da kann man sich auch nichts aus­wäh­len. Der Dich­ter Zuck­mayer hat ein­mal gesagt: „Ich glaube nicht an die Hölle, außer für den Hit­ler.“ Ja, das ist völ­li­ger Unsinn und völ­lige Will­kür. Wir kön­nen doch nicht bestim­men, wen wir in die Hölle ver­set­zen wol­len, das müs­sen wir Gott über­las­sen. „Ich glaube nicht an die Hölle, außer für den Hit­ler“ – was ist das eine dumme Redens­art! Gott ist es, der über unser ewi­ges Schick­sal befin­det, und das ist die Bot­schaft, die Chris­tus uns gebracht hat, und an sie müs­sen wir uns hal­ten.

Aber er hat nicht nur die Wahr­heit gebracht; er hat auch die Gnade gebracht. Er zeigt nicht nur den Weg, er hilft uns auch, ihn zu gehen. Er geht mit uns, er gelei­tet uns, und er beglei­tet uns. Wir brau­chen nicht allein zu wan­dern, er teilt unse­ren Pil­ger­weg mit sei­ner Gnade. Frü­her hieß es immer: Ich kann nicht, ich kann nicht. Jetzt heißt es: Du kannst, weil du mußt! Du kannst, weil du sollst! Du kannst, weil Chris­tus mit dir geht! Das ist das Pro­gramm der Erlö­sung, das der Herr uns ver­kün­det hat.

Er spricht auch über die Reich­weite sei­ner Erlö­sung. Die Juden durf­ten den Erlö­ser erwar­ten um der Treue Got­tes wil­len, denn er hatte ihnen den Erlö­ser ver­hei­ßen, und eine Ver­hei­ßung muß man ein­lö­sen, wenn man wahr­haf­tig ist. Und Gott ist wahr­haf­tig, und so hat er die Ver­hei­ßung ein­ge­löst. „Gott selbst wird kom­men und euch erret­ten.“ Die Hei­den hat­ten eine sol­che Ver­hei­ßung nicht. Sie wur­den des­we­gen nicht durch die Treue Got­tes erlöst, son­dern durch seine Barm­her­zig­keit, wie der Apos­tel Pau­lus im Brief an die Römer schreibt. Gott hatte Mit­leid mit ihnen, mit ihren Irrun­gen und mit ihren Sehn­süch­ten, und so hat er die Hei­den in die Erlö­sung ein­be­grif­fen. Nicht nur das Volk der Juden sollte die Erlö­sung fin­den, son­dern auch die Hei­den­völ­ker. Es ist des­we­gen völ­li­ger Unsinn, meine lie­ben Freunde, wenn heute hier und da und in Ame­rika in gro­ßem Maße die Losung aus­ge­ge­ben wird: Keine Juden­be­keh­run­gen mehr! Ja, warum denn nicht? Die Juden sind doch auch zum Volke Got­tes des Neuen Bun­des geru­fen, der Alte Bund ist zu Ende. Selbst­ver­ständ­lich sol­len wir die Juden für Chris­tus gewin­nen und sol­len sich die Juden bekeh­ren zum Hei­land Jesus Chris­tus. Er ist ein Hei­land für Hei­den und Juden. Es ist ebenso völ­li­ger Unsinn, wenn gesagt wird: Wir wol­len die Bud­dhis­ten zu bes­se­ren Bud­dhis­ten machen und die Hin­dus zu bes­se­ren Hin­dus und die Moham­me­da­ner zu bes­se­ren Moham­me­da­nern. Nein! Wir wol­len, daß sie zu Jesus Chris­tus fin­den, wir wol­len sie zu Chris­ten machen. Sie sol­len von ihrer fal­schen Reli­gion las­sen, nicht zuletzt des­we­gen, daß end­lich ein­mal die Selbst­mord­at­ten­tate auf­hö­ren, die den Moham­me­da­nern ja zuge­schrie­ben wer­den müs­sen. Das ist die reich­hal­tige Erlö­sung. Sie gilt für alle Men­schen ohne Aus­nahme, für Juden und Hei­den.

Aber frei­lich, dann kommt eine War­nung: „Wohl dem, der sich an mir nicht ärgert.“ Das heißt: Heil dem, der kei­nen Anstoß an mir nimmt. Die­ser Anstoß kann sich ent­zün­den an der Per­son oder am Werke Jesu. An der Per­son Jesu ent­zün­det sich der Anstoß, wenn Men­schen sagen: Was liegt uns an einem Erlö­ser, der aus dem Juden­volke kommt! Was liegt uns an einer Lehre, die auf asia­ti­schem Boden ent­stan­den ist! Das Chris­ten­tum, meine lie­ben Freunde, ist nicht jüdi­schen Ursprungs, das Chris­ten­tum ist gött­li­chen Ursprungs! Wenn der Got­tes­sohn ein Mensch wird, dann ist er kei­ner Men­schen­rasse fremd. Und ob er in einem asia­ti­schen Lande zur Welt gekom­men ist oder anderswo, das ist völ­lig uner­heb­lich gegen­über der Tat­sa­che: Jetzt ist er da, und jetzt nimmt er sein Werk auf, und jetzt spen­det er seine Gnade und seine Wahr­heit. Anstoß an Jesus nimmt auch der­je­nige, der ihm den Königs­man­tel der Gott­heit vom Leibe zer­ren will. Bis­her blieb das pro­tes­tan­ti­schen Theo­lo­gen vor­be­hal­ten, daß sie Jesus die gött­li­che Würde abspra­chen, daß sie in ihm nur den Sohn des Zim­mer­manns sahen, den Naza­re­tha­ner. Heute gibt es soge­nannte katho­li­sche Theo­lo­gen, die ihnen auf die­sen üblen Wegen fol­gen, Herr Ohlig in Saar­brü­cken, Herr Hasen­hüttl in Saar­brü­cken. Das sind die neuen Aria­ner, die Jesus als blo­ßen Men­schen aus­ge­ben und ihn sei­ner gött­li­chen Würde ent­klei­den. Sie neh­men Anstoß an Jesus.

Anstoß kann man auch an sei­ner Lehre neh­men. Es ist kein Zwei­fel, daß die Lehre Jesu unbe­quem ist. Das ist sie bestimmt: unbe­quem. Jawohl, das ist sie: aus­ge­spro­chen unbe­quem. Die Men­schen sagen: Wie du mir, so ich dir. Chris­tus spricht anders: „Lie­bet eure Feinde! Tuet Gutes denen, die euch has­sen und betet für die, die euch ver­fol­gen! Dann seid ihr Kin­der

eures himm­li­schen Vaters, der die Sonne auf­ge­hen läßt über Gute und Böse und der Regen fal­len läßt über Gerechte und Unge­rechte.“ Die Men­schen sagen: Wir essen, was uns schmeckt. Jesus befiehlt den Men­schen, sich zu beherr­schen. Die Kir­che hat diese Wei­sun­gen in Gebote gefaßt, etwa das Frei­tags­ge­bot und die Fas­ten­ge­bote. Die Men­schen wol­len in der Ehe tun, was sie gerne mögen. Jesus sagt, daß der Mann die Frau so lie­ben soll, wie Chris­tus selbst die Kir­che geliebt hat. Wer aber die Frau so liebt, wie Chris­tus die Kir­che geliebt hat, der kann nur in Ehr­furcht und in Rein­heit seine Ehe­frau ent­ge­gen­neh­men. Die Men­schen sagen: Ja, wenn es nicht geht, las­sen wir uns schei­den. Jesus sagt: „Wer die Frau ent­läßt und wer die Geschie­dene hei­ra­tet, der bricht die Ehe.“ Anstoß an Jesus neh­men viele, Anstoß an sei­ner Lehre unzäh­lige. Heil dem, der sich an ihm nicht ärgert!

In mei­ner Schul­zeit hatte ich einen Leh­rer, der jeden Sonn­tag den Got­tes­dienst besuchte. Aber er saß immer ganz hin­ten in der letz­ten Bank, denn er ging nie­mals zur hei­li­gen Kom­mu­nion. Er konnte nicht gehen, denn er lebte in ungül­ti­ger Ehe. Als ich ihn nach dem Kriege traf, da sprach er zu mir: „Wis­sen Sie, ich fühle mich unend­lich dre­ckig, und möchte davon frei wer­den.“ „Ich fühle mich unend­lich dre­ckig, und ich möchte davon frei wer­den.“ Die­ser Mann, die­ser gläu­bige katho­li­sche Mann hatte Erlö­sungs­sehn­sucht. Er hatte gespürt, daß die Sünde ein Schmutz und eine Last ist, daß die Sünde Schlamm und Morast ist, aus dem wir uns befreien müs­sen, befreien las­sen müs­sen durch Chris­tus, unse­ren Herrn. Der eng­li­sche Ent­de­cker Tho­mas Sim­pson, der viele phy­si­ka­li­sche Ent­de­ckun­gen gemacht hat, wurde ein­mal gefragt, wel­ches seine größte Ent­de­ckung sei. Da ant­wor­tete er: „Mein größte Ent­de­ckung ist, daß ich ein Sün­der bin und daß Jesus mein Hei­land ist.“ Wahr­haf­tig, das ist eine Ent­de­ckung, eine große, eine gewal­tige, ja die größte Ent­de­ckung, die man machen kann, daß ich ein Sün­der bin und daß Jesus mein Hei­land ist.

Das soll auch in uns sein in die­ser Advents­zeit, die Sehn­sucht, uns her­aus­zu­ar­bei­ten aus unse­rer Sünde, aus unse­ren Lei­den­schaf­ten, aus unse­ren schlech­ten Nei­gun­gen. Wir sol­len den Weck­ruf hören, den Weck­ruf, der ergeht: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, ver­här­tet eure Her­zen nicht!