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Predigtreihe Jesus Christus

Dr. Georg May, em. Pro­fes­sor für Kir­chen­recht, Kirch­li­che Rechts­ge­schichte und Staats­kir­chen­recht, ist seit fast 60 Jah­ren Pries­ter.

Beson­ders in sei­nen unzäh­li­gen Pre­dig­ten hat Georg May den katho­li­schen Glau­ben ver­kün­det und erläu­tert. Kom­pro­miß­los in der Ver­kün­di­gung der rei­nen Lehre und doch leicht ver­ständ­lich fes­selt er seine Leser, die er in der Treue zum Glau­ben und in der Liebe zur Lehre der Kir­che zu fes­ti­gen ver­steht.

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Hier können sie täglich eine neue Predigt lesen. Die erste Serie beinhaltet 14 Themen und steht unter dem Haupttitel "Jesus Christus"
Das Zeug­nis sei­ner Zeit­ge­nos­sen

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Die Frage, die uns seit meh­re­ren Sonn­ta­gen bewegt, lau­tet: „Was dünkt euch von Chris­tus? Wes­sen Sohn ist er?“ Die Ant­wort auf diese Frage ist ent­schei­dend für unser gan­zes Leben. Ent­we­der ist Chris­tus ein harm­lo­ser Buß­pre­di­ger, oder er ist der Herr und Gesetz­ge­ber des Neuen Bun­des. Wenn man ihn nicht als den Gesetz­ge­ber des Neuen Bun­des ansieht, dann kann man das tun, was der Deut­sche Bun­des­tag tut, näm­lich die Homo-Ehe ein­füh­ren. Wenn er aber der Gesetz­ge­ber des Neuen Bun­des ist, dann wehe denen, wehe denen, die sein Gesetz sehen­den Auges über­tre­ten!

Wir hat­ten uns zuletzt das Zeug­nis des Apos­tels Johan­nes vor Augen geführt. Er berich­tet an vie­len Stel­len sei­nes Evan­ge­li­ums, daß Jesus von sich selbst sagt, er sei vom Him­mel gekom­men, er sei vom Vater gesandt, um hier auf Erden das Werk der Erlö­sung zu bewir­ken. Das war sein Selbst­zeug­nis. Aber seine Zeit­ge­nos­sen haben Glau­ben an ihn gefaßt. Der erste von ihnen ist Johan­nes der Täu­fer. Er sagt von Jesus: „Seht das Lamm Got­tes, das hin­weg­nimmt die Sünde der Welt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir geht, denn er war eher als ich. Ich kannte ihn nicht, aber damit er in Israel offen­bar werde, bin ich gekom­men und taufe mit Was­ser. Er, auf den du den Geist her­ab­kom­men und auf ihm blei­ben siehst, der ist es, der mit dem Hei­li­gen Geiste tauft. Ich habe es gese­hen und habe es bezeugt: Die­ser ist der Sohn Got­tes.“ Johan­nes der Täu­fer hat begrif­fen, daß Jesus nicht ein blo­ßer Wan­der­pre­di­ger ist, wie es damals viele gab, son­dern der ein­zige Sohn Got­tes, der auf Erden erschie­nen ist.

Auch andere haben es begrif­fen. Niko­de­mus, der Rats­herr, bekennt, daß Jesus von Gott gekom­men ist. Die ers­ten Jün­ger, Andreas und Phil­ip­pus, erken­nen in ihm den Mes­sias und Sohn Got­tes. Als er sein ers­tes Wun­der wirkt in Kana, „da glaub­ten seine Jün­ger an ihn“ – eben an ihn als an den Sohn Got­tes. Und als nach sei­ner Him­mels­brot-Rede eine Menge sei­ner Anhän­ger sich von ihm trennte, da fragte er die Zurück­blei­ben­den, ob sie auch gehen woll­ten; doch sie ant­wor­te­ten: „Zu wem sol­len wir gehen? Du allein hast Worte des ewi­gen Lebens. Wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Hei­lige Got­tes bist.“ Der Hei­lige Got­tes ist nie­mand ande­res als der gött­li­che Mes­sias.

Auch die Volks­scha­ren haben eine Ahnung gewon­nen, wer Jesus ist. Nach der gro­ßen Abend­ein­la­dung, bei der Brot­ver­meh­rung, da waren sie über­zeugt, daß er der Pro­phet ist, der in die Welt kom­men soll, der Pro­phet, der ein ein­zig­ar­ti­ger Pro­phet ist, nicht wie die übri­gen, nicht wie Elias und Eli­säus, son­dern der Pro­phet, der alles wie­der­her­stellt am Ende der Tage und die Herr­schaft Got­tes her­auf­führt. Der Blind­ge­bo­rene hatte eben­falls erkannt, wer Jesus ist. „Glaubst du an den Sohn Got­tes?“ Dar­auf ant­wor­tete er: „Ja, ich glaube.“ Mar­tha, die Schwes­ter der Laza­rus, bekennt Jesus als den Mes­sias, als den Sohn Got­tes, der in die Welt gekom­men ist. Und Tho­mas, über­wäl­tigt von der Gegen­wart des auf­er­stan­de­nen Hei­lan­des, bricht in das Wort aus: „Mein Herr und mein Gott!“

Daß Jesus die­ses Anspruch erho­ben hat, wird auch von sei­nen Geg­nern bezeugt, denn sie sind ihm des­we­gen feind­se­lig, weil er sich eben als den Sohn Got­tes bezeich­nete. Des­halb such­ten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sab­bat nicht hielt, son­dern auch Gott sei­nen Vater nannte und so sich Gott gleich­stellte. Das also war der Angriffs­punkt. An einer ande­ren Stelle: „Wir stei­ni­gen dich nicht wegen eines guten Wer­kes, son­dern wegen der Got­tes­läs­te­rung, weil du dich selbst zu Gott machst, da du doch ein Mensch bist.“ Und noch ein letz­tes Mal, näm­lich in der Ver­hand­lung vor Pila­tus: „Wir haben ein Gesetz, und nach die­sem Gesetz muß er ster­ben, denn er hat sich selbst zum Sohne Got­tes gemacht.“

Die Worte Jesu beinhal­ten einen unge­heu­ren Anspruch. Aber um seine Worte nicht allein zu las­sen, hat er sie gestützt und bestä­tigt durch seine Werke. Oder viel­mehr – was sage ich? – der Vater im Him­mel hat seine Worte bestä­tigt durch die Werke, die er sei­nem Sohn zu tun gab. Das Wun­der­wir­ken Jesu ist so eng mit sei­ner Per­son und mit sei­nen Wor­ten ver­knüpft, daß es unmög­lich ist, das eine zu leug­nen und das andere zu behal­ten, wie es man­che moder­nis­ti­sche Theo­lo­gen tun. Ent­we­der man nimmt den gan­zen Jesus an, und das ist der Wun­der­hei­land, oder man ver­wirft ihn, und dann braucht man auch auf seine Worte nichts zu geben.

Johan­nes berich­tet sie­ben Wun­der Jesu aus der gro­ßen Fülle des­sen, was Jesus getan und gewirkt hat. Er bezeugt das Wun­der in Kana, die Brot­ver­meh­rung, er berich­tet drei Hei­lun­gen: am könig­li­chen Beam­ten­sohn, an dem Kran­ken vom Bethesda-Tei­che, am Blind­ge­bo­re­nen, er bezeugt den See­wan­del Jesu und die Auf­er­we­ckung des Laza­rus. In all die­sen Wun­dern blitzt es auf, daß Jesus der schöp­fe­ri­sche Ver­wand­ler, Leben und Licht der Welt, der Herr der Ele­mente ist. Die Wun­der bekräf­ti­gen seine Worte, und in den Wor­ten erklärt er seine Wun­der. Jesus wirkte die Wun­der nicht, um einer augen­blick­li­chen Not abzu­hel­fen; da hätte er ange­sichts der zahl­rei­chen Kran­ken viel mehr Hei­lun­gen vor­neh­men müs­sen, son­dern diese Wun­der waren Zei­chen, und als Zei­chen muß­ten sie nicht fort­wäh­rend und an allen aus­pro­biert wer­den. Er wirkte auch keine Schau­wun­der, wie es die hel­le­nis­ti­schen Wun­der­tä­ter taten, son­dern wo er kei­nen Glau­ben fand, da wirkte er keine Wun­der, nicht weil seine Macht ver­sagt hätte, son­dern weil der Sinn sei­ner Wun­der­macht ins Gegen­teil ver­kehrt wor­den wäre. Sie wol­len den Glau­ben wecken, sie sol­len den Men­schen zum Glau­ben an seine Sen­dung füh­ren, und wo er ver­stockte Her­zen und einen ver­blen­de­ten Geist fin­det, da wirkt er keine Wun­der.

Das Wun­der aller Wun­der ist seine eigene Auf­er­ste­hung. Man hat ver­sucht – der Unglaube ist ja fin­dig –, durch Hypo­the­sen den Glau­ben der Jün­ger, nicht etwa die Auf­er­ste­hung Jesu, den Glau­ben der Jün­ger an die Auf­er­ste­hung Jesu zu erklä­ren. So hat man die Mythen­hy­po­these, die Visi­ons­hy­po­these, die Schein­tod­hy­po­these erfun­den. Sie aller erge­ben sich nicht aus den Tex­ten der Evan­ge­lien, son­dern erklä­ren sich aus welt­an­schau­li­chen Vor­ur­tei­len. Weil man von vorn­her­ein über­zeugt ist, daß Gott nicht auf Erden erschei­nen könne, und weil man von vorn­her­ein sich sicher ist, daß es kei­nen von Gott Gesand­ten geben kann, der Wun­der wirkt, des­we­gen leug­net man die unzwei­fel­haf­ten Zeug­nisse der Evan­ge­lien. Die Auf­er­we­ckung Jesu wird von Pau­lus bezeugt, von der Apos­tel­ge­schichte und von den vier Evan­ge­lis­ten. Das Zeug­nis des Pau­lus ist wahr­schein­lich das älteste; es liegt vor im ers­ten Korin­ther­brief, der aus dem Jahre 57 stammt, aber es reicht wei­ter zurück, denn 23 Jahre vor­her, im Jahre 34 etwa, hat Pau­lus die Lich­t­er­schei­nung bei Damas­kus gehabt und ist dann zu Petrus gegan­gen und hat von ihm die Liste der Zeu­gen erhal­ten, die Jesus nach sei­ner Auf­er­ste­hung gese­hen hat­ten. Wir kom­men also im Zeug­nis des Pau­lus unmit­tel­bar in die Zeit der Urkir­che zurück, und es ist des­we­gen gar nicht zwei­fel­haft, wenn in der Apos­tel­ge­schichte berich­tet wird, daß schon nicht zwei Monate nach dem Tode Jesu die junge Kir­che von sei­ner Auf­er­ste­hung kün­digte.

Die Auf­er­we­ckung Jesu ist das Wun­der aller Wun­der. Die Ent­ste­hung des Glau­bens an die Auf­er­we­ckung Jesu wird uns von den Evan­ge­lis­ten berich­tet. Die Jün­ger hat­ten selt­same Erfah­run­gen. Der Tote, den sie hat­ten am Kreuze hän­gen sehen, erschien vor ihnen, er sprach mit ihnen, er aß mit ihnen, sie berühr­ten ihn. Die Mei­nung, die Apos­tel seien Sin­nes­täu­schun­gen zum Opfer gefal­len, ist unhalt­bar, denn zu viele Tat­sa­chen spre­chen dage­gen. Das leere Grab erweckte ihren Glau­ben nicht, es ent­mu­tigte sie, es ermu­tigte sie nicht. Sie hiel­ten das, was die Frauen ihnen berich­te­ten, für Geschwätz. Und selbst als sie sich selbst über­zeugt hat­ten von dem lee­ren Grab, keimte der Glaube nur in einem ein­zi­gen von ihnen auf, näm­lich in Johan­nes. Die ande­ren muß­ten erst durch die Erschei­nun­gen Jesu zum Glau­ben geführt wer­den, und auch da zwei­fel­ten sie noch. „Einige aber zwei­fel­ten“, schreibt Mar­kus gegen Schluß sei­nes Evan­ge­li­ums. Des­we­gen hat Jesus ihnen die Beweise gelie­fert, wie sie ein Mensch braucht, um von Tat­sa­chen über­zeugt zu wer­den. Ein Toter redet nicht, aber ein Auf­er­stan­de­ner redet. Ein Toter ißt nicht, aber ein Auf­er­stan­de­ner kann essen. Ein Toter kann berührt wer­den, aber er for­dert nicht andere auf, ihn zu berüh­ren. Der Unglaube kann sich selbst­ver­ständ­lich gegen jeden Beweis zur Wehr set­zen, weil er nicht glau­ben will. Aber dann wird eben das Gescheh­nis, das Gott in Chris­tus gewirkt hat, ihm zum Ver­häng­nis und zum Fall. Er ist schon gerich­tet, weil er nicht an den glaubt, den Gott als sei­nen Gesand­ten auf­ge­stellt hat.

Nun, meine lie­ben Freunde, schil­dert Johan­nes Jesus als den, der war, der ist und der sein wird. Jesus als der, der war, das ist der prä­e­xis­tente Chris­tus, also der Sohn Got­tes beim himm­li­schen Vater. Der Chris­tus, der ist, das ist der Hei­land, mit dem Johan­nes gewan­dert ist, auf des­sen Wort er gehört hat, an des­sen Brust er gele­gen hat im Abend­mahls­saal. Aber er spricht auch von dem Jesus, der kom­men wird, von dem, der da sein wird. Er hat uns näm­lich ein letz­tes Buch hin­ter­las­sen, das Buch der Apo­ka­lypse. Das ist ein Trost­buch aus der Zeit der gro­ßen Chris­ten­ver­fol­gung unter Kai­ser Domi­tian. Da wurde die Kir­che mit die­sem wun­der­ba­ren Buche beschenkt, in dem der kom­mende Jesus und gezeigt wird. Johan­nes hat von Gott gewirkte Visio­nen. „Ich schaute um mich nach der Stimme, die zu mir sprach, und beim Umschauen sah ich sie­ben gol­dene Leuch­ter, und inmit­ten der Leuch­ter einen wie einen Men­schen­sohn, ange­tan mit lan­gem Gewande und mit gol­de­nem Gür­tel um die Brust gegür­tet. Sein Haupt und seine Haare weiß wie Wolle, seine Augen wie Feu­er­flam­men. Seine Füße gli­chen dem Glanz­erz, das im Schmelz­ofen glühte, seine Stimme war wie das Rau­schen gewal­ti­ger Was­ser. Sie­ben Sterne hielt er in der rech­ten Hand, aus sei­nem Munde fuhr ein zwei­schnei­di­ges schar­fes Schwert, und sein Ant­litz war, wie wenn die Sonne mäch­tig strahlt. Das sah ich, und da stürzte ich zu Boden.“

Chris­tus ist der Herr­scher, der macht­volle Herr. Er wirkt die Geschichte, auch wenn sie selbst nichts davon weiß. Jetzt mag es schei­nen, als ob Gott schwach wäre, als ob er schwei­gen würde, als ob er gar nicht da wäre. Aber in Wahr­heit ist er der Herr der Geschichte; alle Geschöpfe sind seine Werk­zeuge, alle Gescheh­nisse die­nen sei­nem Wil­len.

Und von die­sem Men­schen­sohn bezeugt Johan­nes wei­ter, daß er das Buch, das nie­mand öff­nen kann, öff­net. Es kam ihm näm­lich ein Buch vor Augen. Die­ses Buch war innen und außen beschrie­ben und mit sie­gen Sie­geln ver­sie­gelt. „Ein Engel rief: Wer ist wür­dig, das Buch zu öff­nen und seine Sie­gel zu lösen? Aber nie­mand, weder im Him­mel noch auf der Erde noch unter der Erde, konnte das Buch öff­nen. Da weinte ich sehr, daß nie­mand für wür­dig befun­den wurde, das Buch zu öff­nen und hin­ein­zu­se­hen. Einer der Ältes­ten aber sprach zu mir: Weine nicht! Siehe, gesiegt hat der Löwe aus Judas Stamm, der Sproß Davids. Er kann das Buch öff­nen und seine sie­ben Sie­gel lösen.“ Was heißt das, meine Freunde? Das heißt: Wir sind ohn­mäch­tig, die Geheim­nisse unse­res Lebens und der Geschichte zu deu­ten. Wir sind unfä­hig, die Schick­sale zu ver­ste­hen. Wir wis­sen nicht, wozu alles ist und worum alles ist, aber in die­ser Not der Ver­sie­gelt­heit kommt das Lamm, und das Lamm ist Herr über den Sinn der Geschichte. Ein­mal wird unser Glaube gekrönt, ein­mal wird unsere Hoff­nung getrös­tet, ein­mal wird unsere Liebe belohnt. Das ist dann, wenn Chris­tus das Buch, das Schick­sals­buch der Mensch­heit und der Welt, öff­net.

Er führt einen letz­ten Kampf. Mit dem Zei­chen der gött­li­chen Majes­tät und Macht zieht er in den Kampf. „Auf der Wolke saß einer wie ein Men­schen­sohn. Er trug auf sei­nem Haupte eine gol­dene Krone und in der Hand eine scharfe Sichel.“ Die Sichel ist das Werk­zeug der Ernte. Der Got­tes­sohn ern­tet jetzt die Welt, denn die Ernte der Welt ist reif gewor­den. „Und der auf der Wolke saß, legte seine Sichel an die Erde, und die Erde wurde abge­ern­tet.“ Ein­mal kommt er mit gött­li­cher Macht und besiegt den Satan, und Got­tes Herr­lich­keit strahlt leuch­tend für immer empor. Johan­nes sieht dann Chris­tus als himm­li­schen Rei­ter auf einem wei­ßen Roß. „Er heißt Treu und Wahr, er rich­tet und rei­tet mit Gerech­tig­keit. Seine Augen sind wie Feu­er­flam­men, auf sei­nem Haupte trägt er viele Dia­deme. Beklei­det ist er mit einem blut­be­fleck­ten Gewande, und auf sei­nem Gewande steht das Wort ,Das Wort Got­tes‘.“

Ein­mal wird die Welt­ge­schichte ein Ende neh­men. Das wird zu der Stunde sein, die der Vater in sei­ner Macht bestimmt hat. Und der das Ende her­auf­führt, ist nie­mand ande­rer als Jesus Chris­tus, der Sohn Got­tes, unser Herr und Hei­land. Noch spä­hen unsere Augen die grauen Hori­zonte ab nach dem ers­ten Schim­mer sei­nes Lich­tes, aber er wird kom­men, wie das Schick­sal kommt, denn er ist das Schick­sal.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Das Zeug­nis sei­ner Zeit­ge­nos­sen" www.Glaubenswahrheit.org“