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Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..

Das Selbst­be­wußt­sein Jesu

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Das Selbst­be­wußt­sein Jesu über­schrei­tet mensch­li­che Schran­ken. Man hat ver­sucht, es als unge­schicht­lich zu erwei­sen. Aber diese Ver­su­che sind geschei­tert. Wer Jesus den­noch in die Gren­zen des Natür­lich-Mensch­li­chen ein­schrän­ken will, der muß behaup­ten, die­ses Selbst­be­wußt­sein sei unbe­rech­tigt. Es ist dann unbe­rech­tigt, wenn sich ent­we­der Jesus über sich selbst getäuscht hat, wenn er also im Irr­tum war, oder wenn er die ande­ren über sich getäuscht hat, wenn er ein Betrü­ger war. Das Selbst­be­wußt­sein läßt sich von einem Men­schen nicht tren­nen. Wenn sich Jesus über sich selbst getäuscht hat, dann ist er bemit­lei­dens­wer­ter Psy­cho­path. Wenn er aber andere über sich betro­gen hat, dann ist er ein geris­se­ner Betrü­ger. Ter­tium non datur – eine dritte Mög­lich­keit gibt es nicht.

Die Evan­ge­lien berich­ten uns genü­gend, um über Jesus ein begrün­de­tes Urteil zu fäl­len. Gewiß, der Rah­men ist sche­ma­tisch und erhebt kei­nen Anspruch auf geschicht­li­che Treue. Wir wis­sen nicht, wann bestimmte Worte Jesu gespro­chen sind. Es ist uns nicht ein­mal bekannt, wie lange er gewirkt hat. Aber seine Per­sön­lich­keit steht klar umris­sen aus den Berich­ten der Evan­ge­lien vor uns. Seine Men­ta­li­tät, seine Gott­ver­bun­den­heit, seine Treue zu sich selbst gehen mit untrüg­li­cher Sicher­heit aus den evan­ge­li­schen Berich­ten her­vor.

Wir haben kein leib­li­ches Bild von Jesus und auch kei­nen Bericht über seine leib­li­che Erschei­nung. Man hat ver­sucht, dem Schwei­gen der Evan­ge­lien nach­zu­hel­fen und hat Bil­der von Jesus vor­ge­wie­sen. Es gibt das Abgar-Bild, das Bild des Lukas, das Bild des Niko­de­mus, das Bild der Vero­nika. Aber alle diese Bil­der sind phan­tas­ti­sche Pro­dukte, haben ihren Grund nicht in der Wirk­lich­keit. Es sind legen­däre Bil­der. Was sol­len wir sagen zu dem Turi­ner Lei­chen­tuch? Es gibt ernst­hafte For­scher, die behaup­ten: Das Turi­ner Lei­chen­tuch ist echt. Es gibt aber ebenso ernst­hafte For­scher, die dage­gen­hal­ten: Es kann nicht echt sein. Es taucht zu spät auf; seine Beglau­bi­gung ist zu unsi­cher und – viel­leicht der schwer­wie­gendste Ein­wand – es stimmt nicht mit dem Bericht des Evan­ge­lis­ten Johan­nes über das Begräb­nis Jesu über­ein. Denn nach die­sem Bericht des Johan­nes wurde Jesus min­des­tens in zwei Tücher gewi­ckelt, in eines um sei­nen Leib und in ein ande­res um sein Haupt. Das Turi­ner Lei­chen­tuch aber ist nur eines. Ich will und kann die Frage über die Echt­heit hier nicht ent­schei­den. Ich meine nur, daß wir keine letzte Gewiß­heit haben, ob das Turi­ner Lei­chen­tuch echt ist.

Eben­so­we­nig sind die Berichte wert, die im Mit­tel­al­ter auf­tau­chen über die Gestalt Jesu, z.B. der Len­tu­lus-Brief oder die Beschrei­bung des Nike­pho­rus-Kal­lis­tus. Diese Beschrei­bun­gen der kör­per­li­chen Gestalt Jesu sind aus den Fin­gern geso­gen; sie sind nicht his­to­risch. Es gab Kir­chen­vä­ter, die der Mei­nung waren, Jesu Gestalt sei unan­sehn­lich, ja häß­lich gewe­sen, und zwar glaub­ten sie das schlie­ßen zu kön­nen aus der Weis­sa­gung des Isaias: „An ihm ist nicht Gestalt und Schön­heit, daß wir ihn anschauen möch­ten.“ Aber diese Weis­sa­gung geht doch nur auf den lei­den­den Jesus. Des­we­gen haben andere Kir­chen­vä­ter, wie Hie­rony­mus oder Johan­nes Chrys­ost­o­mus, diese Mei­nung ent­schie­den zurück­ge­wie­sen.

Jesus hat auf seine Zeit­ge­nos­sen einen star­ken Ein­druck gemacht. Die Kin­der sind zu ihm hin­ge­eilt, die Kran­ken haben ihm ver­traut. Die Frau aus dem Volke sagt: „Selig der Leib, der dich getra­gen, und die Brust, die dich genährt hat!“ Jesus muß von kör­per­li­cher Wohl­ge­stalt gewe­sen sein, sonst würde sich diese Anzie­hungs­kraft, die ja auch von sei­ner leib­li­chen Gestalt aus­ging, nicht erklä­ren las­sen. Er macht den Ein­druck des Gesun­den, Kraft­be­schwing­ten, Dis­zi­pli­nier­ten. Er muß ein abge­här­te­ter, gestähl­ter Mann gewe­sen sein. Er hat weite Wege zurück­ge­legt. Er hat oft im Freien über­nach­tet. Er hat den Höhen­un­ter­schied zwi­schen Jeri­cho und Betha­nien, 1200 Meter, ohne Zei­chen der Erschöp­fung über­wun­den. Er hat in sei­ner Pas­sion eine bewun­derns­werte Stärke bewie­sen. Jesus muß ein gesun­der und lei­dens­fä­hi­ger Mensch gewe­sen sein.

Und was sol­len wir erst sagen von sei­ner geis­ti­gen Gestalt? Es fällt vor allem auf seine Natur­ver­bun­den­heit und sein Wohl­wol­len gegen­über den Men­schen. In den Gleich­nis­sen weiß er die Lilien des Fel­des zu prei­sen und die Vögel des Him­mels, aber seine Liebe zu den Men­schen ist noch viel bewun­derns­wer­ter und erha­be­ner. Das Leid der Witwe, die ihren ein­zi­gen Sohn ver­lo­ren hat, die Angst des besorg­ten Vater­her­zens des Jai­rus um seine Toch­ter, die reui­gen Trä­nen der Sün­de­rin rüh­ren an sein Herz. Jesus hat der ertapp­ten Ehe­bre­che­rin in feins­ter Weise ihre Schuld vor­ge­hal­ten und sie gleich­zei­tig zur Bes­se­rung gemahnt; er hat den reui­gen Petrus auf­ge­nom­men; er hat die Sün­de­rin, die ihm die Füße salbte, zur Bekeh­rung geführt; er hat die Ängst­lich­keit des Niko­de­mus in fei­ner Weise ertra­gen. Jesus ist ein Men­schen­ken­ner von hohen Gna­den. Vor allem sein Ver­hält­nis zu Petrus ist von einer sol­chen Zart­heit und Fein­heit, wie es kein Schrift­stel­ler erfin­den könnte. Wie er den zagen­den Petrus beruft, wie er ihn vor sei­nem Vor­witz und sei­ner Ver­trau­ens­se­lig­keit warnt, wie er ihn bei sei­nem Ver­rat mit einem Blick bekehrt und wie er ihm dann die Schlüs­sel des Him­mel­rei­ches über­reicht, das ist von einer sol­chen fei­nen und erha­be­nen Men­schen­liebe und Freun­des­liebe erfüllt, wie man sie sich nicht grö­ßer den­ken kann.

Und erst sein Ver­hält­nis zum Vater. Jesus hat ein inni­ges, dau­ern­des und star­kes Ver­hält­nis zum himm­li­schen Vater. Er ist der größte Beter der Welt­ge­schichte. Auf ein­sa­men Ber­gen, in stil­ler Nacht hält er Zwie­spra­che mit dem Vater. Jesus ist ein reli­giö­ses Genie, wenn man die­sen Aus­druck auf ihn anwen­den darf. Und die­ses Genie bezieht seine Kraft nicht aus mensch­li­chen Quel­len, son­dern aus gött­li­cher Her­kunft.

Jesus ist auch ein intel­lek­tu­el­les und mora­li­sches Wun­der. Seine Geis­tig­keit ist von über­ra­gen­der Gewalt. Seine Got­tes­vor­stel­lung ver­eint die Majes­tät Got­tes mit dem Erbar­men. Seine Men­schen­vor­stel­lung ver­knüpft die Nied­rig­keit des Men­schen mit sei­ner Würde. Jesus weiß, daß Gott der All­mäch­tige ist, aber ebenso, daß er der All­barm­her­zige ist. Sein Wis­sen von Gott hat er nicht aus rab­bi­ni­schen Quel­len bezo­gen; er hat ja nie­mals eine Schule besucht. Es kommt auch nicht aus außer­jü­di­schen Quel­len. Seine Zeit­ge­nos­sen fra­gen des­we­gen ver­wun­dert: Wie ver­steht die­ser die Schrift, da er doch nicht stu­diert hat? Sein Wis­sen kennt kein Tas­ten und Suchen, es kennt kein Schwan­ken und keine Unsi­cher­heit. Jesus hat sich nie­mals kor­ri­gie­ren müs­sen. Er hat kein ein­zi­ges Mal etwas zurück­neh­men müs­sen. Vom ers­ten Atem­zug bis zu sei­nem letz­ten steht er zu sei­ner Lehre, unwan­del­bar und sicher und frei.

Kein Mensch auf die­ser Erde hat bis­her jemals die Frage stel­len dür­fen: Wer von euch kann mich einer Sünde bezich­ti­gen? Jesus konnte diese Frage stel­len. Die Ant­wort dar­auf muß lau­ten: Nie­mand kann ihn einer Sünde bezich­ti­gen. Der Haß der Feinde hatte nichts gegen ihn ein­zu­wen­den, was vor der Ver­nunft und dem Glau­ben stand­hielte. Sein Rich­ter befand ihn für schuld­los. Der Ver­rä­ter mußte beken­nen: Ich habe unschul­di­ges Blut ver­ra­ten. Und seine Jün­ger, die ihm ver­traut waren – und in der Ver­traut­heit sieht man ja man­ches, was andere nicht sehen – haben ihn als den Hei­li­gen und Gerech­ten bekannt, der Sünde nicht getan hat. Seine Tugend ist gefes­tigt. Sie ringt sich nicht erst durch mühe­vol­les Erwer­ben hoch. Er braucht sich nicht durch Brü­che und Kämpfe zur Höhe der freien sitt­li­chen Per­sön­lich­keit zu erhe­ben. Es gibt bei ihm keine Ent­wick­lung der Tugend, sie ist immer da und sie ist immer gleich stark. Er ist stark­mü­tig und doch nicht hart. Er ist gütig und warm­her­zig und doch nicht weich­lich und unmänn­lich. Seine Demut ist von erha­be­ner Hoheit; sein Ver­ständ­nis für andere von gött­li­chem Ernst. Er bejaht alle irdi­schen Werte und ist doch an kei­nen ein­zi­gen gebun­den.

Jesus ist ein intel­lek­tu­el­les und mora­li­sches Wun­der. Seine Lehre ist über­na­tio­nal und über­zeit­lich. Sie bedient sich der ara­mä­i­schen Spra­che, aber sie ist für Men­schen jeder Spra­che, jeder Nation, jedes Alters, jedes Stan­des ver­ständ­lich und anwend­bar. Er spricht ebenso über Gott wie über die Welt, über das Dies­seits wie über das Jen­seits, über den ein­zel­nen und über die Gemein­schaft. Seine Lehre hat, soweit sie von den Men­schen ange­nom­men und ver­wirk­licht wor­den ist, die höchs­ten Leis­tun­gen der abend­län­di­schen Kul­tur her­vor­ge­bracht. Er hält seine Lehre fest bis zum letz­ten Atem­zug am Kreuze.

Wahr­haf­tig, meine lie­ben Freunde, wer ange­sichts die­ser Per­sön­lich­keits­struk­tur Jesu behaup­ten wollte, er habe sich geirrt über sich selbst oder er habe andere getäuscht oder zu täu­schen ver­sucht, der behaup­tet etwas psy­cho­lo­gisch Unmög­li­ches. Er ist in Irr­tum befan­gen und ver­kehrt die Wirk­lich­keit. Die­ses Leben ist von numi­no­ser Tiefe. Um die­ses Leben strahlt ein gött­li­ches Licht. Die­ses Leben ist aus mensch­li­chen, irdi­schen, natür­li­chen Kräf­ten und Quel­len nicht zu erklä­ren. Von die­sem Leben gilt das, was der heid­ni­sche Haupt­mann am Kreuze, der sein Ster­ben beob­ach­tete, sagte: „Wahr­haf­tig, die­ser Mensch war Got­tes Sohn!“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May - Das Selbst­be­wußt­sein Jesu www.Glaubenswahrheit.org“

Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes ..


Noch ein­mal wol­len wir heute die Frage stel­len: Was dünkt euch von Chris­tus? Wer­den Sie bitte nicht unge­dul­dig und ihrer über­drüs­sig, denn sie ist die Frage aller Fra­gen. Auf diese Frage müs­sen wir eine Ant­wort fin­den, und zwar eine Ant­wort, die stich­hal­tig ist. Wenn Chris­tus nicht der Grund unse­res Lebens ist, dann ist ver­geb­lich unsere Pre­digt, dann ist ver­geb­lich unser Beten, dann ist ver­geb­lich unser Got­tes­dienst. Was dünkt euch von Chris­tus?

Heute wol­len wir die Ant­wort geben: Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes. In sei­nem Leben und Wir­ken hat zwei­fel­los das Kreu­zes­op­fer den ers­ten Rang. Aber Chris­tus ist eben nicht nur der Pries­ter, der sich opfert, er ist auch der Leh­rer, der die Wahr­heit Got­tes ver­kün­det. Er ist der Offen­ba­rer. Die unzu­gäng­li­che Wirk­lich­keit Got­tes ist durch ihn zugäng­lich gewor­den. In ihm wen­det der Vater im Him­mel sein Ant­litz der Mensch­heit zu, ja, er ist der auf Erden erschie­nene Gott. Wer von Chris­tus redet und die Gott­heit Christi nicht bekennt, der hat um ihn her­um­ge­re­det. Chris­tus ist der Offen­ba­rer Got­tes, weil er Gott sel­ber ist. Er kommt von Gott, er ist von Gott aus­ge­gan­gen, und er kommt in die Welt, um die Wahr­heit Got­tes den Men­schen zu kün­den. Des­we­gen beharrt er so auf dem Ver­kün­di­gen der Wahr­heit. Er ist die Wahr­heit selbst, und er bringt die Wahr­heit Got­tes, weil er am Her­zen des Vaters geruht hat. Jesus ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes. Das Wort Wahr­heit besagt näm­lich nicht nur, daß Jesus nichts Fal­sches sagt; das Wort Wahr­heit besagt, daß in ihm die Wirk­lich­keit Got­tes zugäng­lich ist. Er ist die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes in sei­nem Sein, in sei­nem Wir­ken und in sei­nem Wort. Drei­fach offen­bart er Gott: in sei­ner Per­sön­lich­keit als der mensch­ge­wor­dene Got­tes­sohn, in sei­nem Han­deln als der Herr über die Ele­mente und in sei­nem Reden als die Wahr­heit, die uns in ihm offen­bar ist.

Die Zeit­ge­nos­sen Jesu haben emp­fun­den, daß er anders redet als andere Men­schen. In Kapharnaum, in der Syn­agoge, hatte er gelehrt, und dann wird fest­ge­stellt: „Sie waren betrof­fen über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schrift­ge­lehr­ten.“ Ähn­lich berich­tet uns der Evan­ge­list Johan­nes. Die Pries­ter hat­ten den Auf­trag gege­ben, Jesus fest­zu­neh­men, aber nie­mand legte Hand an ihn. Als die Die­ner dann zu den Ober­pries­tern kamen, da frag­ten sie: Warum habt ihr ihn nicht her­ge­führt? Die Die­ner ant­wor­te­ten: „Nie hat ein Mensch so gere­det, wie die­ser Mensch redet.“ Darin ist die Ein­zig­ar­tig­keit der Ver­kün­di­gung Jesu aus­ge­drückt. Er ist die Wahr­heit, weil er die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes ist.

Seine Ver­kün­di­gung ist Weis­heit. Oft und oft in der Hei­li­gen Schrift wird uns berich­tet, daß die Ver­kün­di­gung der Apos­tel nicht eige­nes Gemächte ist, son­dern Weis­heit, die sie von Chris­tus emp­fan­gen haben. „Wir ver­kün­den nicht Men­schen­weis­heit, damit das Kreuz Christi sei­ner Kraft nicht beraubt werde. Denn die Lehre vom Kreuz ist denen, die ver­lo­ren­ge­hen, Tor­heit, uns aber, die selig wer­den, ist sie Got­tes Kraft. Hat Gott nicht die Weis­heit die­ser Welt zur Tor­heit gemacht? Weil die Welt mit ihrer Weis­heit Gott nicht in sei­ner Weis­heit erkannte, hat es Gott gefal­len, durch die Tor­heit der Pre­digt die­je­ni­gen selig zu machen, die glau­ben.“ Das Wort Christi ist Weis­heit. Es ist eine Weis­heit ande­rer Art, als die Men­schen sie erfin­den. Es ist eine Weis­heit, die denen, die nicht glau­ben, wie Unver­stand klingt. Aber es ist eine Weis­heit, die denen, die geret­tet wer­den, Kraft ist, Kraft zum ewi­gen Leben. Die Weis­heit Christi ist der Welt unver­ständ­lich, aber sie ist der Weis­heit der Welt weit über­le­gen, und sie wird von Chris­tus aus­ge­legt. Er erklärt seine Weis­heit ver­bind­lich. In sei­nen Wor­ten legt er aus, wer er ist und was er tut.

Sein Wort ist ein Wort voll Kraft. Immer wie­der erle­ben wir, wie der Herr nur zu spre­chen braucht, und es geschieht. Ein Aus­sät­zi­ger bit­tet ihn, ihn rein zu machen: „Wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Jesus ant­wor­tet: „Ich will. Sei rein!“ Der Haupt­mann ver­zich­tet dar­auf, daß Jesus in sein Haus kommt und sei­nen Knecht gesund macht. „Sprich nur ein Wort – auch aus der Ferne –, so wird mein Knecht gesund.“ Sein Wort ist Macht und Kraft. Sein Wort besitzt sakra­men­tale Bedeu­tung. Was sein Wort spricht, das schafft es.

Der Inhalt sei­ner Bot­schaft ist der fol­gende. Chris­tus ruft das Reich Got­tes aus, und durch sein Aus­ru­fen kommt es her­bei. Er will alle Men­schen in sei­nem Rei­che ver­sam­meln. Der Weg zum Anschluß an ihn ist der Glaube; wer an ihn glaubt, den zieht er in das gött­li­che Leben hin­ein, dem gibt er Anteil an sei­nem Leben. Und wer an ihn glaubt, dem ver­leiht er als Angeld des ewi­gen Lebens sei­nen Geist, und die­ser Geist wirkt in ihm und führt ihn durch die Fähr­nisse die­ser Zeit hin­durch. Der Inhalt der Bot­schaft Jesu ist der wahre Gott und der wahre Mensch. Durch Christi Bot­schaft wis­sen wir, wer Gott ist, und wis­sen wir, was der Mensch ist. Gott ist der drei­per­so­nale; er ist Liebe, aber auch Gerech­tig­keit; er ist Barm­her­zig­keit, aber auch Gericht; er gibt sich den Men­schen mit sei­nem Leibe auf Erden hin, um sie in sein Leben hin­ein­zu­zie­hen. Durch die Ver­kün­di­gung Jesu wird das Got­tes­bild von allem Natur­haf­ten und Natur­ge­bun­de­nen befreit. Es wird auch befreit von aber­gläu­bi­scher Furcht und törich­ter Angst. Ebenso ver­mit­telt uns Chris­tus das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch ist von uner­setz­ba­rem Wert. Er besitzt eine unsterb­li­che Seele. Er kann nie­mals Werk­zeug und Gebrauchs­ge­gen­stand wer­den. Wer diese Ver­kün­di­gung Jesu ernst nimmt, meine lie­ben Freunde, für den ist die Debatte über die Züch­tung von Embryo­nen, um mit ihnen kran­kes Leben zu hei­len, erle­digt; denn er weiß: In die­sen Embryo­nen lebt eine unsterb­li­che Seele, und diese Embryo­nen haben eine nicht dem Men­schen ver­füg­bare Würde. Die Debatte ist damit abge­schlos­sen. Chris­tus gibt uns das wahre Bild vom Men­schen. Der Mensch kommt zu sich selbst nur in der Gemein­schaft, aber er geht nicht in der Gemein­schaft auf. Das Wort ist falsch, das wir zwölf Jahre lang gehört haben: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Nein, der Mensch hat eine unver­wech­sel­bare und uner­setz­bare Würde. Er ist nicht nur Atom in einer Gemein­schaft. Und er ist zur Voll­endung bestimmt, die Gott ihm schen­ken wird. Das ist der Inhalt der Bot­schaft Jesu; das ist der wesent­li­che Inhalt.

Das Wort, das Chris­tus spricht, ent­hüllt und ver­hüllt die Wirk­lich­keit Got­tes. Es nimmt teil am Geheim­ni­s­cha­rak­ter der Men­schwer­dung Christi. Daß die­ser Dop­pel­cha­rak­ter dem Worte Christi anhaf­tet, erken­nen wir daran, wenn er in Gleich­nis­sen spricht. Die Gleich­nisse die­nen ein­mal dazu, durch anschau­li­che Bil­der den Men­schen eine Ahnung vom Got­tes­rei­che zu ver­mit­teln. Doch die Gleich­nisse haben noch eine andere Bedeu­tung. Sie sol­len denen, die gläu­big sind, den Weg zur Wahr­heit Got­tes bah­nen. Aber sie sol­len auch denen, die sich ver­schlie­ßen, unver­ständ­lich blei­ben. Das Wort Christi ist ein ver­bind­li­ches Wort, denn es ist das Wort des Herrn. Die Men­schen sind also gehal­ten, es nicht nur zu hören, son­dern ihm zu gehor­chen. Sie sol­len in die­sem Worte wan­deln; sie sol­len nach die­sem Worte han­deln. Das Wort Christi ist ver­pflich­tend für alle Men­schen. Es ist nicht so, daß es gewis­ser­ma­ßen nur denen ein­geht, die die­selbe Weise des Den­kens und Emp­fin­dens haben, nein, es ist ein Wort, das für alle Men­schen ver­bind­lich ist und ver­bind­lich bleibt. Es ver­liert nichts von sei­ner Gül­tig­keit durch den Zeit­ab­lauf. Seine Worte blei­ben für immer beste­hen; denn er ist der Offen­ba­rer Got­tes, er ist der Leh­rer, der von Gott Kunde bringt. „Gott hat nie­mand geschaut“, heißt es im Johan­nes­evan­ge­lium. „Der Ein­ge­bo­rene, der Gott ist, der im Schoße des Vaters ist, er hat uns Kunde gebracht.“ Und eine weih­nacht­li­che Bot­schaft ist es, wenn im Hebrä­er­brief fei­er­lich die Ver­kün­di­gung anhebt: „Viel­mals und man­nig­fach hat einst Gott zu den Vätern durch die Pro­phe­ten gespro­chen. Jetzt hat er am Ende der Tage zu uns durch sei­nen Sohn gere­det, den er zum Erben über alles gesetzt hat, durch den er auch die Wel­ten geschaf­fen. Er, der Abglanz sei­ner Herr­lich­keit und das Eben­bild sei­nes Wesens, er, der auch das Welt­all trägt durch sein macht­vol­les Wort, hat Erlö­sung von den Sün­den gebracht und sich dann gesetzt zur Rech­ten der Majes­tät in den Höhen, so hoch erha­ben über die Engel, wie sein Name, den er als Erb­teil erhielt, den ihri­gen über­ragt.“

Es wird nicht bestrit­ten, daß es auch andere Offen­ba­rer gege­ben hat. Die Pro­phe­ten waren Trä­ger gött­li­cher Offen­ba­rung, und ihr Wort bleibt gül­tig. Aber sie sind kon­kur­renz­los über­bo­ten durch den Offen­ba­rer, den Gott am Ende der Tage gesandt hat, durch sei­nen Sohn. Er bringt die letzte Offen­ba­rung, die umfas­sendste, die end­gül­tige. Es ist das letzte Wort, das Gott zur Mensch­heit gespro­chen hat; es ist das Schluß­wort. Alles andere, was danach folgt, ist nur Ent­fal­tung die­ses Schluß­wor­tes. Es befreit uns vom Irr­tum. Das ist eine der wich­tigs­ten Funk­tio­nen, die die Ver­kün­di­gung Jesu hat. Sie befreit uns vom Irr­tum, vor allem in reli­giö­sen Din­gen. Wir müs­sen uns frei machen von dem rela­ti­vis­ti­schen Zug, der heute in der Gesell­schaft herrscht, als ob eben Wahr­heit über­all zu fin­den sei. Bruch­stü­cke der Wahr­heit mag es hie und da geben, aber die volle Wahr­heit ist nur bei Chris­tus zu fin­den. Er ist der Strom, auch wenn da und dort Tüm­pel lie­gen. Er ist das Licht, auch wenn da und dort ein Flim­mern ent­ge­gen­scheint. Er ist die Wahr­heit in Per­son als die offen­bare Wirk­lich­keit Got­tes.

Jetzt, meine lie­ben Chris­ten, sehen wir das Geheim­nis Christi. Er ist der Offen­ba­rer des Vaters, weil er der im Men­schen­kleid erschie­nene Got­tes­sohn ist. Wir blei­ben in der Kir­che nicht aus tra­di­tio­na­lis­ti­scher Anhäng­lich­keit, nicht weil wir von unse­ren Eltern in diese Kir­che ein­ge­führt wur­den, nicht weil wir Geschmack haben an gewis­sen reli­giö­sen Zere­mo­nien. Wir blei­ben in die­ser Kir­che, weil sie die Trä­ge­rin und Bür­gin der Wahr­heit ist.

Es war am Ölberge, als der Herr den Lei­dens­kampf kämpfte, und seine Jün­ger diese Stunde ver­schlie­fen. Da trat er zu ihnen und redete: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Das ist ein Wort der Kraft gewe­sen. „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Die­ses Wort ist nie mehr ver­hallt. Das spricht Chris­tus auch heute zu sei­ner Kir­che: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Und da sehen wir das Geheim­nis die­ser Kir­che. Sie ist eine Unzu­läng­lich­keit, sie ist manch­mal ein Ärger­nis. Aber Chris­tus hat zu ihr gesagt: „Steht auf! Wir wol­len gehen.“ Wir wol­len zusam­men gehen. Er geht mit sei­ner Kir­che. Und so wol­len wir diese Kir­che nicht ver­las­sen, son­dern wol­len mit ihr wei­ter­zie­hen auf dem Wege, bis wir ange­kom­men sind am Ziele.

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May "Über Chris­tus als den Offen­ba­rer Got­tes" www.Glaubenswahrheit.org“