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Maria führt uns wieder zur Quelle unseres Heils. Sie fordert uns zur Bereitschaft auf, die göttliche Liebe, aus der sie selbst lebt, an uns wirksam werden zu lassen.

Die Heilsbedeutung Mariens

Gott hat Maria zu einem ein­zig­ar­ti­gen Dienst beru­fen. Sie sollte dem Erlö­ser den Weg in die Welt bah­nen. Maria wurde zu die­sem Zweck aus­ge­son­dert aus der gan­zen Mensch­heit; eine Auf­gabe wie sie hat kein zwei­ter Mensch zu erfül­len gehabt. Die Kir­che ist gewiß die Kir­che der Pro­phe­ten und der Apos­tel, aber in gewis­ser Hin­sicht über­ragt Mari­ens Dienst den der Pro­phe­ten und der Apos­tel, denn sie war es, in die Gott das Geheim­nis sei­ner Erlö­sung, den Logos, gelegt hat, auf daß er, Mensch gewor­den, die Mensch­heit und die ganze Welt von den Sün­den erlöse.

Die ein­zig­ar­tige Beru­fung Mari­ens bedingt auch ihre ein­zig­ar­tige Gestalt. Weil sie eine sol­che Auf­gabe hatte, des­we­gen wurde sie auch in beson­de­rer Weise für diese Auf­gabe aus­ge­rüs­tet. Sie ist von ihrer Auf­gabe völ­lig bean­sprucht. Die Mut­ter­schaft ist ja immer eine unge­heure Bean­spru­chung für eine Frau. Die Tat­sa­che, daß sie Mut­ter wird, prägt sie für das ganze Leben. Aber in Maria ist die Mut­ter­schaft noch gestei­gert dadurch, daß ihr Kind der Sohn Got­tes war.

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Das gehor­same Leben der Got­tes­mut­ter Maria

Maria ist in die Auf­gabe, die ihr gestellt war, rück­halt­los und vor­be­halt­los ein­ge­gan­gen. Bei ihr gab es keine Gezwei­ung und erst recht kei­nen Wider­spruch zwi­schen Amt und Leben, zwi­schen Auf­gabe und Gesin­nung. Sie hat ihr gan­zes Sein und Leben bedin­gungs­los und unein­ge­schränkt Gott über­ant­wor­tet. Diese Hal­tung Mari­ens war durch Glau­ben geprägt. Ihre Liebe, ihr Gehor­sam, ihre Treue las­sen sich zusam­men­fas­sen in dem Begriff ihres Glau­bens. Wenn Abra­ham der Vater aller Glau­ben­den ist, dann ist Maria die müt­ter­li­che Urge­stalt aller Gläu­bi­gen. Die­ser Glaube Mari­ens soll es sein, der uns heute beschäf­tigt.

Maria hat in der Zeit ihres irdi­schen Lebens bis zur Her­ab­kunft des Geis­tes nicht die volle Ein­sicht in die Pläne Got­tes und in das Vor­ha­ben ihres Soh­nes gewon­nen. Mehr­fach heißt es in der Hei­li­gen Schrift: „Sie ver­stand nicht, was er damit sagen wollte“, aber „sie bewahrte alle diese Worte in ihrem Her­zen“. Maria ist die Jün­ge­rin ihres Soh­nes durch ihren Glau­ben gewe­sen. Sie ist in die Glau­bens­si­tua­tio­nen, die Gott ihr zumu­tete, mit ihrem freien Lie­bes­wil­len ein­ge­gan­gen. Wir hören, daß sie das Wort des Engels auf­nahm, daß sie die Worte, wel­che die Hir­ten zu ihr spra­chen, behielt und erwog, daß sie die Worte des Simeon im Tem­pel in sich bewahrte. Die Glau­bens­si­tua­tion Mari­ens war in gewis­ser Hin­sicht schwe­rer als aller ande­ren, weil sie näm­lich ohne Vor­bild war. Sie mußte in der Unge­si­cher­theit aus­hal­ten, die der Erst­ma­lig­keit und der Ein­ma­lig­keit zu eigen ist. Sie mußte unter der Über­last einer Auf­gabe sich bewäh­ren, die Gott kei­nem Men­schen vor ihr und kei­nem nach ihr zumu­tete. Ihre Glau­bens­si­tua­tion war des­we­gen unver­gleich­lich schwe­rer als die aller ande­ren Men­schen. Sie konnte noch nicht zurück­bli­cken auf die Macht­ta­ten und Wun­der ihres Soh­nes; die Auf­er­ste­hung und die Him­mel­fahrt des Jesus lagen noch vor ihr. Des­we­gen war ihre Glau­bens­si­tua­tion von einer unglaub­li­chen Schärfe.

Das zeigte sich schon bei der Ver­kün­di­gung des Engels. Der Engel, der ihr die Bot­schaft brachte, wirkte kein Wun­der. Wie wurde sie denn gewiß, daß das nicht ein Trug­bild des Teu­fels war, son­dern eine Bot­schaft von Gott? Der Maß­stab, den sie anle­gen konnte, war allein ihr hei­li­ges, Gott hin­ge­ge­be­nes Wesen. Sie spürte eine Welle der Ver­wandt­schaft zwi­schen dem Engel und ihr hin­über­wo­gen, die sie gewiß machte, daß ein Bote Got­tes zu ihr gekom­men war. Und sie über­ant­wor­tete sich mit ihrem Worte „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“ rück­halt­los und vor­be­halt­los dem Wil­len Got­tes.

Ihre Mut­ter­schaft war eine ein­zige Glau­bens­probe. Sie mußte ihren Sohn in einer gleich­gül­ti­gen Umge­bung gebä­ren, wo nicht ein­mal Platz in der Her­berge war. In äußers­ter Armut und Dürf­tig­keit bringt sie ihr Kind zur Welt. Statt ihn nun in die Gebor­gen­heit der Hei­mat tra­gen zu kön­nen, muß sie flie­hen. In einem frem­den Land, unter frem­den Men­schen, fern den hei­mat­li­chen Fes­ten muß sie ver­wei­len mit ihrem Sohne. Diese Flucht, die­ses Flücht­lings­da­sein scheint fast ein Sym­bol zu sein für ihren Glau­bens­weg, der eben durch Dun­kel­hei­ten hin­durch führte. Vor dem Haß des Hero­des muß sie ihren Sohn im frem­den Lande ber­gen. Da mag manch­mal die Frage in ihr auf­ge­stie­gen sein: Kann denn Gott sein eige­nes Kind nicht vor dem Haß der Feinde schüt­zen? Wo sind denn die Ver­hei­ßun­gen des Alten Bun­des von der Herr­lich­keit und vom Glanze des Mes­sias? Kein Strahl fiel in die­ser Stunde von der Ver­kün­di­gungs­szene und von dem Jubel beim Besu­che der Eli­sa­beth in ihre Seele.

Als sie ihr Kind im Tem­pel dar­brachte, hörte sie selt­same, merk­wür­dige Worte aus dem Munde des Simeon. Zunächst: „Nun läs­sest du, Herr, dei­nen Knecht nach dei­nem Wort in Frie­den schei­den, denn meine Augen haben dein Heil geschaut, das du vor allen Völ­kern berei­tet hast, ein Licht zur Erleuch­tung der Hei­den und eine Ver­herr­li­chung dei­nes Volkes Israel.“ Über diese Worte wun­der­ten sich Maria und Josef; sie waren offen­bar noch nicht voll ein­ge­weiht in das, was Simeon ihnen unter­brei­tete. Er wußte anschei­nend mehr über das Wesen und die Auf­gabe die­ses Kna­ben als seine Eltern. Dann aber führte Simeon seine Rede fort und sprach zu Maria, sei­ner Mut­ter: „Siehe, die­ser ist bestimmt zum Fall und zum Auf­ste­hen vie­ler in Israel und zu einem Zei­chen, dem man wider­spricht. Deine eigene Seele aber wird ein Schwert durch­drin­gen. So wer­den die Gedan­ken vie­ler Her­zen offen­bar wer­den.“ Was kün­digte Simeon hier an? Nicht den Glanz der Mes­si­as­herr­lich­keit, nicht die Auf­rich­tung von Herr­schaft und Macht, son­dern Wider­stand, Feind­se­lig­keit. Gegen die­sen Mes­sias, gegen die­sen Got­tes­sohn wird sich Wider­spruch erhe­ben, und er wird zu einem Zei­chen der Ent­schei­dung wer­den. Die einen wer­den sich an ihm auf­rich­ten, die ande­ren wer­den an ihm zugrun­de­ge­hen. Ein furcht­ba­res Schick­sal wird hier ihrem Sohne vor­her­ge­sagt, und sie selbst wird davon getrof­fen wer­den wie von einem Schwert. Wie ein Schwert einen Kör­per durch­dringt, so – bild­lich gespro­chen – wird der Schmerz ihre Seele durch­drin­gen. Ihre Erwäh­lung sichert sie also nicht vor Qua­len und Schmer­zen, son­dern, im Gegen­teil, ihre Erwäh­lung ist die Ursa­che dafür, was sie an Lei­den und Schmer­zen erfah­ren muß.

So geht es wei­ter in dem Erleb­nis mit dem zwölf­jäh­ri­gen Kna­ben im Tem­pel zu Jeru­sa­lem. Nichts bis­her in dem Leben des Jesus hat Maria so getrof­fen und so ver­letzt wie der wort­lose Abschied ihres Soh­nes. Man spürt, wie fas­sungs­los sie ist, wenn sie sagt: „Kind, warum hast du uns das getan? Dein Vater und ich, wir haben dich mit Schmer­zen gesucht.“ Über dem Leben die­ses Kin­des steht ein ande­rer Wille als ihr eige­ner. Es ist der Wille des himm­li­schen Vaters. Der Sohn gehorcht einem Gesetz, das nicht ihr eige­nes ist; die­ses Gesetz ist ihm vom Vater im Him­mel gege­ben. Es ist ihr nicht geof­fen­bart, denn sie ist erstaunt, ja fas­sungs­los über das, was mit ihrem Sohne geschieht und was er tun muß nach dem Wil­len des Vaters im Him­mel. Er besitzt ein Wis­sen, das ihr in die­sem Zustand und zu die­ser Zeit noch nicht eigen ist.

Ähn­lich ist es dann bei der Hoch­zeit zu Kana, wo sie das ferne, befremd­li­che Wort hört: „Frau“ – nicht Mut­ter – „Frau, was ist zwi­schen dir und mir? Meine Stunde ist noch nicht gekom­men.“ Das ist zwei­fel­los eine herbe Abwei­sung Mari­ens gewe­sen in die­ser Freu­den­stunde, und doch hat Maria dadurch ihren Glau­ben nicht ver­lo­ren. Sie ist nicht irre­ge­wor­den an ihrem Sohn, denn sie sagt ja sogleich zu den Die­nern: „Was er euch sagen wird, das tut!“ Sie ahnt, daß die Stunde kom­men wird, in der er seine Macht bewei­sen wird.

Noch ein­mal erfährt Maria eine bit­tere Stunde, als sie mit ihren Ver­wand­ten den Sohn sucht, der in einem Hause ist. Man mel­det ihm: „Deine Mut­ter und deine Brü­der ste­hen drau­ßen.“ Da weist er auf die um ihn Sit­zen­den und erklärt: „Wer ist meine Mut­ter, und wer sind meine Brü­der? Die den Wil­len Got­tes erfül­len, die sind mir Bru­der und Schwes­ter und Mut­ter.“ Wie­derum, so scheint es, eine herbe Abwei­sung der Mut­ter, die nur zu erklä­ren ist aus sei­ner Beru­fung zum Mitt­ler und Erlö­ser der Mensch­heit. Die leib­li­chen, die irdi­schen Bin­dun­gen müs­sen zurück­tre­ten gegen­über dem Auf­trag, den ihm der Vater im Him­mel gege­ben hat. Das Irdi­sche zählt nicht mehr, wenn das Himm­li­sche ins Spiel gebracht wird.

Diese Erleb­nisse Mari­ens mit ihrem Sohne mach­ten sie reif für die schwerste Stunde, die sie erle­ben mußte, näm­lich die Stunde des Todes ihres Soh­nes. Die ers­ten drei Evan­ge­lis­ten berich­ten nichts davon, daß Maria in der Lei­dens­wo­che in Jeru­sa­lem weilte. Aber das vierte Evan­ge­lium sagt uns, daß Maria mit Johan­nes unter dem Kreuze stand. Maria wird in der Nähe ihres Soh­nes gewe­sen sein, und ich meine, unser Kreuz­weg hat nicht unrecht, wenn er eine Sta­tion benennt: „Jesus begeg­net sei­ner Mut­ter.“ Sie wird ohne Zwei­fel, wenn sie auf dem Kreu­zal­tar, auf Gol­go­tha gestan­den ist, auch den Kreuz­weg ihres Soh­nes beglei­tet haben. Sie wird mit dem Zuge gegan­gen sein, der hin­auf­zog zum Gol­go­thahü­gel, und sie stand dann mit Johan­nes unter dem Kreuz und blickte hin­auf zu ihrem ster­ben­den Sohn. Da hörte sie noch ein­mal ein Wort aus sei­nem Munde, ein letz­tes Wort, mit dem er sich ver­ab­schie­dete. In die­ser Stunde wird sie begrif­fen haben, was Simeon sagen wollte, wenn er erklärte: „Ein Schwert wird deine Seele durch­drin­gen.“ Da mag sie auch die Erfül­lung der alt­test­am­tent­li­chen Weis­sa­gung begrif­fen haben, als sie hörte, wie ihr Sohn den 21. Psalm betete: „Gott, mein Gott, warum hast du mich ver­las­sen?“ Sie mußte ein Wort hören, das er mehr­fach zu ihr gesagt hatte, näm­lich „Frau“. Auch in die­ser Stunde sagt er nicht Mut­ter zu ihr, son­dern er nennt sie Frau, um gleich­sam noch ein­mal seine amt­li­che Eigen­schaft zu beto­nen, die sich über alle leib­li­che und irdi­sche Ver­bun­den­heit erhebt. Der­je­nige, der bis­her ihr Sohn war, steht jetzt als Erlö­ser und Mitt­ler der gan­zen Welt vor der Gerech­tig­keit Got­tes. An sei­ner Stelle muß sie Johan­nes als Sohn anneh­men. „Siehe da dei­nen Sohn!“ Der bis­her ihr Sohn war, geht ein in Got­tes gro­ßes Gericht, und sie bekommt dafür den Sohn des Zebe­däus als einen schwa­chen Ersatz.

Ihr Glaube hat unter die­sen Anfor­de­run­gen nicht gewankt. Das Maß der Liebe war bei Maria immer grö­ßer als das Maß der Ein­sicht. Auch unter dem Andrang des Unver­stan­de­nen, Unbe­grif­fe­nen ist ihr Glaube nicht zusam­men­ge­bro­chen. Sie hat sich an das gehal­ten, was Gott ihr gesagt hat. In einer bestimm­ten Stunde hat eine Frau sie selig geprie­sen wegen ihrer Mut­ter­schaft. Und der Herr hat diese Selig­prei­sung auf­ge­nom­men und bestä­tigt, indem er sagte: „Ja, selig, die das Wort Got­tes hören und es bewah­ren.“ Nie­mand hat das Wort Got­tes treuer bewahrt als Maria. Als sie unter dem Kreuze stand und auf­schaute zu ihrem ster­ben­den Sohne, da ist sie nicht nur die Mut­ter der Glau­ben­den, son­dern da ist sie auch die Köni­gin der Glau­ben­den gewor­den, da hat sich an ihr das Wort erfüllt: „Selig, die du geglaubt hast.“

Amen.

Mit freundlicher Genehmigung „Professor Georg May www.Glaubenswahrheit.org“

 


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